1.2 Deutsche Eliten in russischen Städten: Auswanderung als Karrierechance

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Im 18. und 19. Jahrhundert strömten Tausende von Deutschen in die russischen Metropolen Moskau und St. Petersburg. Diese Migrationsbewegung war keineswegs zufällig, sondern das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels aus politischen Reformen, wirtschaftlichen Anreizen und den besonderen Verhältnissen im Heiligen Römischen Reich und seinen Nachfolgestaaten. Die Deutschen hinterließen in beiden Städten Spuren, die bis heute sichtbar sind – in der Architektur, im Stadtbild, in der Wissenschaft und in der russischen Sprache selbst.

Nordrhein-Westfalen

Kernlehrplan für die Sekundarstufe I und II Gymnasium in Nordrhein-Westfalen
Sek I: KLP
Sek II: Entwurf 2025 und KLP 2013
kapitelspezifisch
:

  • Sek. I: Inhaltsfelder 3 a) und 3 b)
    Lebenswelten im Mittelalter
    (Weitere thematische Bezüge in anderen Kapiteln:
    Menschen auf Reisen: Siedler an der Wolga: 2.1,
    Vernetzung, transkontinentale Beziehungen Deutsch-Balten, deutsche Eliten in Russland: 1.1, 1.2)
  • Sek. I: Inhaltsfeld 4: Frühe Neuzeit
    Neue Welten, neue Horizonte
    (Weitere thematische Bezüge in anderen Kapiteln:
    Aufbruch, Umbruch, neue Lebenswelten: 1.3)
  • Sek. II: Einführungsphase: Inhaltsfeld 3
    Menschenrechte in historischer Perspektive
    (Weitere thematische Bezüge in anderen Kapiteln:
    Menschenrecht Abwanderung: 1.3)

Sachsen

Lehrplan Geschichte Gymnasium, 2004, 2007, 2009, 2011, 2019 in Sachsen
Sek I/II: Lehrplan Geschichte
kapitelspezifisch:

  • Klasse 6, Lernbereich 2
    Herrschaft und Lebensformen im Mittelalter
    (Weitere thematische Bezüge in anderen Kapiteln:
    Deutsch-Balten, Deutsche in Russland, deutsche Siedler: 1.1, 1.2, 1.3)
  • Klasse 6, Lernbereich 3
    Religionen und Kulturen im Mit- und Gegeneinander

In diesem Kapitel beantworten wir die Frage, warum es in den russischen Großstädten im 18. und 19. Jahrhundert so große Gruppen von Deutschen gab. Wir untersuchen die Spuren, die diese städtische Elite in St. Petersburg hinterlassen hat.

Übersicht Kapitelinhalte

Russland verändert sich

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Zar Peter der Große, Gemälde von 1717

Im 18. Jahrhundert war das russische Kaiserreich eine aufstrebende Großmacht, unter Peter dem Großen (1672–1725) und seinen Nachfolgern wurde das Reich größer, moderner und europäischer. Die Städte, insbesondere Moskau und die neu gegründete Hauptstadt St. Petersburg, die Verwaltung und das Bildungswesen wuchsen. Für all das brauchte Russland Menschen, und zwar gut ausgebildete Menschen: Handwerker für das städtische Bürgertum und seinen Bedarf an Waren und Dienstleistungen, Wissenschaftler für das neu gegründete Universitätssystem und Verwaltungsfachleute für verschiedene Regierungsebenen des jungen Kaiserreichs.

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Peter der Große unternahm persönlich Bildungsreisen ins europäische Ausland. In England und den Niederlanden wollte er z. B. lernen, wie diese großen Seemächte ihre Schiffe bauten. Dafür besuchte er Werften und ging in Amsterdam sogar bei einem Werftmeister in die Lehre. Auf dem Gemälde unten wird Peter beim Besuch der englischen Werft von Deptford gezeigt. Findest du den Zaren? Klicke ihn an.

Deutschland – verstopfte Karrierepfade überall!

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Im Heiligen Römischen Reich lief derweil ein jahrhundertealtes, gut geöltes Ausbildungssystem. In den zahlreichen Städten bildeten die Handwerkszünfte Jahr um Jahr neue Gesellen aus und die vielen Universitäten bildeten u. a. Naturwissenschaftler und Juristen aus. Das Problem war: Gerade weil das System schon alt und tradiert war, waren seine Karrierewege verstopft. Die Professorenstellen der Universitäten waren besetzt und die Zünfte 'vererbten' die Meisterwürde oft nur an Alteingesessene. Für die zahlreichen ambitionierten Handwerksgesellen und Absolventen war eine wachsende Stadt wie St. Petersburg, mit einer neu gegründeten Wissenschaftsakademie, ein Versprechen. Ein Versprechen auf freie Entfaltung, auf Verdienst- und Karrierechancen und nicht zuletzt auf eine dankbare und zugewandte Obrigkeit, die ihre Fähigkeiten und Verdienste schätzte.

St. Petersburg – eine europäische Metropole

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Ansicht von St. Petersburg von 1753
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St. Petersburg wurde am 27. Mai 1703 von Zar Peter I. an der Mündung der Newa in den Finnischen Meerbusen gegründet. Die Wahl des Ortes war strategisch: Peter wollte Russland einen Zugang zur Ostsee und damit zum westeuropäischen Handel sichern. 1712 erklärte Peter St. Petersburg zur neuen Hauptstadt Russlands und verdrängte damit Moskau aus dieser Rolle. Die Stadt sollte das „Fenster nach Europa“ sein – ein Symbol für die Westorientierung seines russischen Reichs.

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Die Ausgangslage: Diese Karte von 1698 zeigt die Newa-Mündung noch weitestgehend unbebaut. Nur eine kleine schwedische Festung ist rechts im Bild zu erkennen.

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Mit Hilfe ausländischer, vor allem deutscher und italienischer Architekten entstand eine planmäßig angelegte Metropole im europäischen Barockstil, die sich bewusst von der altrussischen Tradition absetzte. Der Newski-Prospekt entwickelte sich zur repräsentativen Prachtstraße, der Winterpalast zum Zentrum der Zarenmacht. Im 18. und 19. Jahrhundert wuchs die Stadt weiter zu einer glanzvollen Kaiserresidenz heran. Die Eremitage, heute eines der bedeutendsten Kunstmuseen der Welt, wurde unter Katharina II. erst als private Kunstsammlung und Rückzugsort begründet, stetig erweitert und später öffentlich zugänglich gemacht.

Deutsche Spuren in St. Petersburg

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St. Petri in Petersburg

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St. Petri, die ursprüngliche Kirche der deutschen Protestanten in Petersburg, steht noch heute am Newski-Prospekt.

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Das Foto unten zeigt den Petersburger Prachtboulevard Newski-Prospekt Ende des 19. Jahrhunderts. Viele Geschäfte boten hier exquisite Waren an. Findest du den Deutschen? Klicke an.

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Bereits 1728, nur 25 Jahre nach der Stadtgründung, gab es in St. Petersburg schon eine eigene Zeitung für die Deutschen. Die St. Petersburgische Zeitung erschien bis 1915, zunächst als Wochenzeitung, ab 1831 als Tageszeitung. Bis 1874 befand sie sich im Besitz der Russischen Akademie der Wissenschaften, bevor sie an das Ministerium für Volksbildung überging. Über diesen Link findest du ein digitales Archiv mit den Ausgaben der Zeitung bis 1845. Schau dich um und finde heraus, wofür sich die Deutschen in St. Petersburg (und im ganzen Russischen Reich, die Zeitung war auch für andere deutsche Einwanderer das wichtigste Informationsmedium) interessierten.

Lukas Epperlein, Digitale Lernwelten GmbH

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Mein Name ist Laurentius Blumentrost, und ich wurde im Jahr 1692 in Moskau geboren. Ja, ihr habt richtig gehört – ich bin zwar Deutscher, aber in Russland aufgewachsen! Mein Vater, Doktor Johann Deodatus Blumentrost, war bereits als Leibarzt am russischen Zarenhof tätig. So wuchs ich in einer Welt auf, die zwischen zwei Kulturen lag: der deutschen und der russischen.

In meiner Familie war natürlich klar, dass ich, genauso wie mein Vater, Arzt werden sollte. Aber um ein wirklich guter Arzt zu werden, musste ich dorthin reisen, wo das beste Wissen der Welt versammelt war: nach Europa.

Ich studierte an mehreren berühmten Universitäten. In Oxford in England, in Leiden in den Niederlanden und in Halle in Deutschland saß ich in den Vorlesungssälen und lernte alles über den menschlichen Körper, über Krankheiten und deren Behandlung. Das Studium war hart. Wir lernten auf Latein, der Sprache der Gelehrten, und verbrachten lange Stunden über dicken Büchern.

Im Jahr 1713 schloss ich mein Studium ab und erhielt meinen Doktortitel.

Nach meinen Studienjahren kehrte ich nach Russland zurück. Dort lebte und herrschte zu dieser Zeit Zar Peter der Große – ein Mann, der sein riesiges Russland unbedingt modernisieren wollte. Er holte Wissenschaftler, Ingenieure und Ärzte aus ganz Europa, um sein Land voranzubringen. Mein Vater war zwar schon 1705 gestorben, aber als der Sohn des früheren Leibarztes hatte ich natürlich Kontakte zum Zarenhof. So hatte ich das große Glück, das Vertrauen Peters zu gewinnen.

Ich wurde Leibarzt des Zaren. Das bedeutete, ich war der persönliche Arzt des mächtigsten Mannes in ganz Russland! Das war eine riesige Ehre, aber auch eine große Verantwortung. Wenn der Zar krank war, musste ich helfen. Und Peter der Große war kein einfacher Patient, er war ungeduldig, energiegeladen und hatte wenig Zeit zum Kranksein!

Doch meine wichtigste Aufgabe sollte noch kommen. Peter der Große träumte davon, in Russland eine große Akademie der Wissenschaften zu gründen, so wie es sie in Paris, London und Berlin bereits gab. Gelehrte aus ganz Europa sollten dort forschen, lehren und Russland zu einer modernen Wissenschaftsnation machen.

Peter der Große übertrug mir die Aufgabe, diese Akademie aufzubauen. Leider erlebte der Zar die Eröffnung nicht mehr – er starb im Jahr 1725. Aber ich führte seinen Traum zu Ende. Noch im selben Jahr, 1725, wurde die Kaiserliche Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg feierlich eröffnet, und ich wurde ihr erster Präsident.

Das erfüllte mich mit unglaublichem Stolz. Wir holten kluge Köpfe aus ganz Europa nach St. Petersburg. Einer von ihnen war der berühmte Mathematiker Leonhard Euler – heute gilt er als einer der größten Mathematiker aller Zeiten. Dass er an unserer Akademie arbeitete, war ein Zeichen dafür, wie bedeutend unser Institut geworden war.

Biografie aus der Ich-Perspektive: Lukas Epperlein, Digitale Lernwelten GmbH

Mein Name ist Anna Mons, und ich wurde um das Jahr 1672 in Moskau geboren – allerdings nicht im russischen Teil der Stadt, sondern in der sogenannten Deutschen Vorstadt, auf Russisch Nemezkaja Sloboda. Das war ein eigenes Stadtviertel, in dem Ausländer aus Westeuropa lebten: Kaufleute, Handwerker, Offiziere und Ärzte. Mein Vater, Johann Mons, war ein Weinhändler aus Deutschland, und so wuchs ich in dieser bunten, lebhaften Gemeinschaft zwischen zwei Welten auf.

Die Deutsche Vorstadt war eine ganz eigene kleine Welt mitten in Moskau. Hier sprach man Deutsch, Holländisch und Englisch, hier gab es westeuropäische Sitten und Gebräuche – und doch lebten wir umgeben von der riesigen, fremden russischen Stadt. Als Kind lief ich durch enge Gassen, hörte das Stimmengewirr in vielen Sprachen und lernte früh, mich in verschiedenen Kulturen zu bewegen.

Eine richtige Schulausbildung, wie sie Jungen meines Standes manchmal erhielten, war für Mädchen zu dieser Zeit kaum vorgesehen. Dennoch lernte ich lesen und schreiben, sprach mehrere Sprachen und wurde in den Künsten unterwiesen, die man von einer jungen Dame erwartete: Musizieren, Tanzen und gepflegtes Auftreten.

Als ich noch ein junges Mädchen war, begann ein außergewöhnlicher junger Mann, die Deutsche Vorstadt regelmäßig zu besuchen: Zar Peter I. – jener Peter, den die Geschichte später „den Großen“ nennen sollte. Peter war fasziniert von der westeuropäischen Lebensweise und verbrachte viel Zeit bei uns Ausländern.

Irgendwann fiel sein Blick auch auf mich. Ich war damals etwa zwanzig Jahre alt. Peter, obwohl bereits verheiratet, verliebte sich in mich, und ich wurde seine Favoritin – seine Geliebte und engste Vertraute. Das war eine unglaubliche Wendung in meinem Leben. Plötzlich stand ich im Mittelpunkt des mächtigsten Hofes Russlands.

Fast zwölf Jahre lang – von etwa 1692 bis 1703 – war ich Peters engste Gefährtin. Das war keine einfache Rolle. Am Zarenhof gab es viele Neider und Intrigen. Alle beobachteten mich genau, und ich musste stets klug und besonnen handeln.

Durch meine Nähe zu Peter konnte ich auch meiner Familie helfen. Mein Bruder Wilhelm Mons machte am russischen Hof eine beachtliche Karriere. Unsere Familie stieg gesellschaftlich auf – aus dem einfachen Weinhändlerhaus wurde eine angesehene Hoffamilie.

Peter schätzte mich nicht nur als Gefährtin, sondern auch als kluge Gesprächspartnerin. Er diskutierte mit mir über seine Pläne, über Europa, über die Zukunft Russlands.

Im Jahr 1703 endete meine Zeit als Peters Favoritin. Nachdem er herausfand, dass ich heimlich mit einem anderen Mann, dem preußischen Gesandten Georg Johann von Keyserlingk, verkehrte. Peter war tief verletzt, wandte sich von mir ab, verbannte mich aus dem Anwesen, das er mir geschenkt hatte.

Es war ein schmerzhafter Einschnitt. Doch ich zerbrach nicht daran und schließlich kühlte Peters Zorn ab. Er gestattete mir sogar, Georg Johann von Keyserlingk zu heiraten. Leider starb er kurz nach der Hochzeit. Ich heiratete ein weiteres Mal und lebte noch viele Jahre in Russland, dem Land, das trotz allem meine eigentliche Heimat geworden war.

Biografie aus der Ich-Perspektive: Lukas Epperlein, Digitale Lernwelten GmbH

Mein Name ist Georg Ludwig von Cancrin, und ich wurde am 26. November 1774 in Hanau geboren – einer kleinen Stadt in der deutschen Landgrafschaft Hessen-Kassel. Niemand hätte damals gedacht, dass dieser Junge aus einer deutschen Beamtenfamilie einmal das Finanzwesen eines riesigen Kaiserreichs leiten würde!

Mein Vater war ein gebildeter Mann, der als Bergbauexperte arbeitete. Von ihm erbte ich die Liebe zu Zahlen, zur Wirtschaft und zu den Naturwissenschaften. Schon als Kind war ich wissbegierig und verschlang jedes Buch, das ich in die Hände bekam.

Ich studierte an den Universitäten in Gießen und Marburg – beide nicht weit von meiner Heimatstadt entfernt. Dort beschäftigte ich mich vor allem mit den Rechtswissenschaften und der Kameralistik. Was ist Kameralistik, fragt ihr? Das ist eine alte Wissenschaft, die sich damit beschäftigt, wie ein Staat seine Finanzen, seine Einnahmen und seine Ausgaben gut verwaltet. Heute würde man vielleicht Wirtschaftswissenschaften oder Volkswirtschaftslehre dazu sagen.

Nach meinem Studium arbeitete ich zunächst in Deutschland und schrieb auch mehrere Bücher über Wirtschaft und Staatsfinanzen. Aber Deutschland bot mir nicht die Möglichkeiten, die meinen Ehrgeiz befriedigten.

Im Jahr 1797 folgte ich meinem Vater nach Russland. Das war damals eine mutige Entscheidung – Russland war weit weg, fremd und riesig. Aber genau das reizte mich. Unter Zar Alexander I. fand ich schnell Aufgaben, die meinen Fähigkeiten entsprachen.

Zunächst arbeitete ich in der Verwaltung und kümmerte mich um wirtschaftliche Fragen. Meine Kenntnisse in Staatsfinanzen waren gefragt, denn Russland hatte in dieser Zeit viele Probleme – nicht zuletzt wegen der teuren Kriege, die das Land führte.

Dann kam das Jahr 1812: Napoleon Bonaparte marschierte mit seiner riesigen Armee in Russland ein. Es war eine schreckliche Zeit. Doch ich leistete in diesem Krieg einen wichtigen Beitrag: Ich war zuständig für die Versorgung der russischen Armee. Das klingt vielleicht unspektakulär, aber ohne Essen, Ausrüstung und Nachschub kann keine Armee kämpfen. Meine organisatorischen Fähigkeiten halfen dabei, Napoleons Niederlage vorzubereiten. Nach dem Krieg wurde ich dafür hoch geehrt.

Im Jahr 1823 ernannte mich Zar Alexander I. zum Finanzminister Russlands. Dieses Amt sollte ich sage und schreibe 21 Jahre lang bekleiden, bis 1844! Das war eine der längsten Amtszeiten eines Finanzministers in der russischen Geschichte.

Russland hatte zu dieser Zeit große wirtschaftliche Schwierigkeiten. Die Staatsschulden wuchsen, die Währung war instabil, und die Bauern lebten in bitterer Armut. Ich machte mich sofort an die Arbeit.

Meine wichtigste Leistung war die Währungsreform von 1839 bis 1843. Ich führte den sogenannten Silberrubel als feste, verlässliche Währung ein. Vorher war das russische Geld kaum etwas wert, weil es zu viele Papierscheine gab, die durch nichts gedeckt waren. Durch meine Reform bekam Russland endlich eine stabile Währung – das war wie ein festes Fundament, auf dem die Wirtschaft wachsen konnte.

Außerdem war ich davon überzeugt, dass Russland seine Landwirtschaft und sein Handwerk stärken musste, bevor es sich zu schnell industrialisierte. Damit war ich nicht immer einer Meinung mit anderen Beratern des Zaren – aber ich stand zu meiner Überzeugung.

Was viele nicht wissen: Ich war nicht nur Politiker und Beamter, sondern auch ein begeisterter Wissenschaftler und Schriftsteller. Ich schrieb zahlreiche Bücher und Aufsätze über Wirtschaft, Bergbau und Finanzen. Ich interessierte mich für Technik und Naturwissenschaften und stand in Kontakt mit den bedeutendsten Gelehrten meiner Zeit.

Das zeigte mir immer wieder: Gutes Regieren und gutes Denken gehören zusammen. Ein Minister, der nicht nachdenkt und nicht lernt, macht schlechte Politik.

Biografie aus der Ich-Perspektive: Lukas Epperlein, Digitale Lernwelten GmbH

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Aufgabe

Deutsche Karrieren in Russland

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    Wähle dir eine der drei Personen oben aus und vollziehe die einzelnen Schritte ihrer Lebenswege in Russland in eigenen Worten nach.
  2. 2
    Auch heute verlassen viele Menschen mit Karrierezielen ihre Heimat und ziehen ins Ausland, um dort zu arbeiten. Vergleiche die Situation heutiger mit der Blumentrosts, Mons und Cancrins, finde Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
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    Diskutiert gemeinsam, als was sich Blumentrost, Mons oder Cancrin am Ende ihres Lebens wohl selbst bezeichnet hätten: als Deutsche, als Russen oder als beides?

Exkurs: Eine deutsch-russische Expedition erforscht das 'Ende der Welt'

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Einer der wissenschaftlichen Leiter der Kamtschatkaexpedition war Johann Georg Gmelin (1709–1755). Er hatte im Alter von 19 Jahren ein Studium der Medizin und Naturwissenschaften in Tübingen beendet. 1731, drei Jahre später, war er in St. Petersburg Professor für Chemie und Naturgeschichte. Nach seiner Rückkehr aus Kamtschatka verfasste er ein Werk über die Pflanzenwelt Sibiriens. Im Jahr 1747 kehrte er als berühmter Wissenschaftler nach Tübingen zurück.

Im Frühjahr 1733 machte sich in St. Petersburg eine außergewöhnliche wissenschaftliche Expedition auf den Weg. Deren Dauer, Teilnehmerzahl und Kosten übertrafen alles, was die Welt bisher gesehen hatte: über 3.000 Beteiligte, Kosten von ca. 1,5 Mio. Rubel (etwa ein Sechstel der Jahreseinnahmen des Russischen Reichs), ein Anreiseweg von 14.000 Kilometern und zehn Jahre Forschungsdauer.

Wozu dieser Aufwand? Einer der großen weißen Flecken der Weltkarte sollte erkundet werden: Die Forscher der sogenannten zweiten Kamtschatkaexpedition erforschten die noch größtenteils unbekannte Nord- und Ostküste Asiens. Sie interessierten sich für die Völker Ostsibiriens, die Pflanzen- und Tierwelt und 'entdeckten' den Nordwesten Amerikas, das heutige Alaska. Und mitten in diesem Riesenunternehmen, das sich von der russischen Hauptstadt nach Osten aufmachte, waren viele Deutsche. Was suchten Deutsche in Sibirien? Und warum hat man sie in Deutschland nahezu vergessen, während ihnen in Sibirien Statuen errichtet und Museen eingerichtet werden?

Eine Auswahl der Expeditionsleiter von 1733

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NameNationalitätAufgabe
Vitus BeringdänischSchiffskapitän
Wassili ProntschischtschewrussischSchiffskapitän
Johann Georg GmelindeutschBiologe
Gerhard Friedrich MüllerdeutschHistoriker/Geograph
Georg Wilhelm StellerdeutschArzt/Ethnologe
Louis De l’Isle de la CroyérefranzösischAstronom

Die Ziele der Expedition

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Benannt ist die zweite Kamtschatkaexpedition nach der Halbinsel Kamtschatka in Nordostsibirien. Die Reise ging jedoch nicht nur nach Kamtschatka.

Während der ersten Kamtschatkaexpedition hatte der Däne Vitus Bering bereits herausgefunden, dass es keine Landverbindung zwischen Sibirien und Alaska gab.

Nun sollte die zweite Expedition aber mehr herausfinden:

  • Wie genau verlief die sibirische Küste?
  • Wo begann eigentlich der amerikanische Kontinent? (Alaska war zu diesem Zeitpunkt von Europäern noch unentdeckt.)
  • Gab es die Möglichkeit, den asiatischen Kontinent im Norden mit Schiffen zu umfahren und so einen neuen Seeweg von Russland nach China zu eröffnen (Nordostpassage)?

Und außerdem sollte noch das gesamte Ostsibirien, das Russland für sich beanspruchte, erforscht werden:

  • Welche Pflanzen und Tiere lebten dort?
  • Gab es Bodenschätze und andere Reichtümer (Pelze, Holz, usw.) zu bergen?
  • Und welche Menschen lebten dort eigentlich?

In Russland wusste damals niemand genau, wie es am 'Ende der Welt', in Ostsibirien, wirklich aussah.

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Ein Teil der Expedition zog nicht nach Ostsibirien, sondern bog schon früher nach Norden ab, um die russische Küste des Nordpolarmeers zu erforschen. An den sibirischen Flüssen Lena und Ob bauten die Forscher ihre Schiffe. Dann fuhren sie erst nach Norden bis zur Mündung der Flüsse ins Polarmeer. Die Reise ging dann weiter die Nordküste Sibiriens entlang. War es möglich, diese eisige Küste mit einem Schiff entlangzusegeln, oder verhinderte das Wetter das?

Zwar mussten die Schiffe nicht aufs offene Meer hinaus, sondern konnten der Küstenlinie folgen, aber auch das war sehr gefährlich. Mit dem Einsetzen des Herbstes bildeten sich auf dem Meer Eisschollen und Eisbergen. Den hölzernen Segelschiffen des 18. Jahrhunderts konnte das schnell zum Verhängnis werden. Im Herbst und Winter bildet das Eis eine geschlossene Fläche, das sogenannte Packeis. Ein Schiff, das zu diesem Zeitpunkt nicht in einer geschützten Bucht oder Flussmündung lag, wurde vom Eis eingeschlossen und zerquetscht. Die Mannschaft der Schiffe musste irgendwie den arktischen Winter überstehen, bis im späten Frühjahr das Meer wieder schiffbar wurde. In Erdhütten suchten sie Unterschlupf, ständig mit der verzweifelten Suche nach Brennmaterial (v. a. Treibholz) und Jagdbeute beschäftigt. Die Gefahren waren sehr groß: Wenn ein andauernder Schneesturm zum Beispiel für zwei Wochen die Suche nach Nahrung verhinderte, konnten danach viele Mannschaftsmitglieder erfroren oder verhungert sein.

Die Nordexpedition verlor mehrere Schiffe in der eisigen Einöde. Viele Seeleute starben. Das Ergebnis der Expedition lautete daher: Nein, die Nordostpassage ist nicht mit Schiffen befahrbar. Dennoch war die Expedition nicht umsonst. Sie lieferte erstmals eine genaue Karte des nordrussischen Küstenverlaufs zwischen dem Weißen Meer im Westen und der Beringstraße im Osten.

Lukas Epperlein, Digitale Lernwelten GmbH

Die 'Entdeckung' Alaskas

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In seiner ersten Kamtschatkaexpedition hatte der dänische Kapitän Vitus Bering die Beringstraße entdeckt, die Verbindung zwischen Pazifik und Nordpolarmeer. Damit war bewiesen, dass Sibirien im Osten endete und nicht etwa durch eine Landbrücke mit Nordamerika verbunden war. Was aber lag östlich der Beringstraße?

Das sollte der zweite Teil der Expedition erkunden. Zwei Schiffe stachen in See: die 'St. Peter' unter dem Kommando Berings und die 'St. Paul' unter dem Kommando des russischen Kapitäns Alexei Tschirikows. Die Reise begann am 15. Juni 1741 im Hafen Petropawlowsk auf Kamtschatka. Es ging nach Osten, mitten hinein in völlig unbekannte See.

Schon nach wenigen Tagen verloren sich die beiden Schiffe bei einem Sturm aus den Augen. Getrennt voneinander erreichten beide Schiffe Ende Juli die Küste Alaskas. Lange konnten sie jedoch nicht bleiben. Nur wenige Stunden konnten die Forscher das Land erkunden, dann mussten sie sich auf die Rückreise machen. Denn der Herbst nahte und die Rückfahrt war lang.

Im Oktober erreichte die 'St. Paul' Petropawlowsk. Die 'St. Peter' hatte weniger Glück: Sie war zu langsam. Noch im November kämpfte sie sich durch die sturmgepeitschte Beringsee. Am 15. November kam Land in Sicht. Doch es war nicht das erhoffte Kamtschatka, sondern eine vorgelagerte Insel. Im Sturm rissen die Ankertaue, das Schiff wurde auf ein Riff getrieben, die Mannschaft rettete sich an Land. Hier musste sie nun überwintern.

Bering selbst überlebte den Winter nicht. Er starb an Entkräftung und Kälte (siehe Darstellung 21) und wurde auf der Insel begraben. Seitdem heißt sie Beringinsel. Im nächsten Jahr bauten die Überlebenden aus den Überresten der 'St. Peter' ein Boot. Damit gelang es ihnen, im Sommer 1742 endlich den Hafen Petropawlowsk zu erreichen.

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Dieses Bild aus dem 19. Jahrhundert zeigt den Schiffbruch der 'St. Peter' von 1741. Die Darstellung ist sehr dramatisch. In Wirklichkeit war kein weiteres Schiff anwesend und die wilden Felsformationen im Hintergrund gibt es auf der flachen Bering-Insel nicht.

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Stürme, Unfälle, Trinkwassermangel – das Leben an Bord eines Segelschiffes war gefährlich und forderte regelmäßig Todesopfer. Doch waren nicht diese offensichtlichen Gefahren die häufigste Todesursache für Seeleute. Bis weit ins 18. Jahrhundert hinein trat unter Schiffsmannschaften, die zu lange auf See waren immer dieselbe geheimnisvolle Seuche auf. Los ging es meistens mit einem allgemeinen Schwächegefühl, Gelenkschmerzen und Zahnfleischbluten. Bald kamen Ausschlag, Fieber und Durchfall hinzu. Zum Schluss fielen den Betroffenen die Haare und Zähne aus, sie waren zu schwach, um überhaupt noch an Bord zu gehen und starben völlig entkräftet und ausgezehrt in ihren Kojen.

Die Seefahrer hatten schnell einen Namen für diese Seuche: Skorbut. Doch lange Zeit wusste niemand, was sie auslöste und wie sie bekämpft werden könnte. Erst Mitte des 18. Jahrhunderts fanden Ärzte heraus, dass es sich bei Skorbut um eine Mangelerkrankung handelte. Die Ernährung von Seeleuten bestand damals größtenteils aus Schiffszwieback und gesalzenem Pökelfleisch. Diese Nahrung war zwar monatelang haltbar, entbehrte aber jeglicher Vitamine. Erst als man anfing, den Seeleuten regelmäßig Vitamin C zu verabreichen (z. B. mit Zitronensaft oder Sauerkraut), hörte das unheimliche Sterben auf den Schiffen auf.

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Über die ersten Tage auf der späteren Beringinsel (Ende November 1741)

In diesen Tagen erhielt man denn auch die Nachricht, welche jedermann noch mehr niederschlug, daß unsre Kundschafter im Westen keine Anzeige eines Zusammenhangs dieses Landes mit Kamtschatka, ja auch nicht die geringste Spur von menschlichen Bewohnern, gefunden hätten. Ueberdem standen wir in täglicher Furcht, daß bey den beständigen Stürmen unser Fahrzeug in die See getrieben und damit aller Proviant und Hoffnung zur Erlösung auf einmahl verlohren gehen würde. Wegen der hohen Wellen konnte man oft in mehrern Tagen mit dem Boot nicht an das Schiff kommen [das vor der Küste auf ein Riff aufgelaufen war], um soviel möglich die Bedürfnisse daraus zu landen. Zudem wurden auch noch zehn bis zwölf Mann, die bisher noch immer und über Vermögen gearbeitet und bis zu Ende des Monats oft bis unter die Arme im kalten Seewasser gestanden hatten, nun ebenfalls krank. Überhaupt, Mangel, Blöße, Frost, Nässe, Ohnmacht, Krankheit, Ungedult und Verzweiflung waren die täglichen Gäste.

Über den Tod Vitus Berings

Ohne Zweifel würde er am Leben geblieben seyn, wenn er Kamtschatka erreicht und nur der Wärme eines Zimmers und frischer Speisen sich hätte bedienen können. So aber kam er fast vor Hunger, Durst, Kälte, Ungemach und Betrübniß um, und der ödömatöse Geschwulst der Füsse, den er schon längst von einem gestopften Tertianfieber hatte, wurde durch die Kälte vermehrt und in den Leib und die Brust getrieben, endlich aber seinem Leben, durch den im Unterleibe entstandenen Brand, am 8ten December zwey Stunden vor Tage, ein Ende gemacht. So jammervoll sein Tod seinen Freunden scheinen muste, so bewundernswürdig war seine Gelassenheit und ernstliche Zubereitung zum Scheiden, welches bey völliger Vernunft und Sprache erfolgte.

Über die Überfahrt nach Kamtschatka

Den 13ten August gingen endlich alle, mit vieler innerlicher Bewegung, aus ihren Wohnungen nach dem Fahrzeuge, welches uns entweder nach unserem Vaterlande führen, oder auf irgendeine Art unserm Schicksal den Ausschlag geben sollte. Als wir auf dem Fahrzeug beysammen waren, sahe man erstlich wie enge der Raum und wie beschwerlich die Reise dahero werden würde. [...]
Den 17ten am Dienstag frühe, bekamen wir auf einmal das feste Land von Kamtschatka zu sehen. Wir erreichten selbiges gerade in der Gegend des Kronozkischen Vorgebirges, sahen es auch, wegen trüber und neblichter Witterung nicht eher, als bis wir uns etwa eine Meile von Ufer befanden. Nichts desto weniger blieb man bey dem Vorsatz, nach dem Hafen zu gehen, von welchem wir noch dreißig Meilen entfernt waren. Da aber die ganze Zeit über, unter dem Lande Kamtschatka entweder eine gänzliche Windstille oder der Wind widrig war, so brachten wir noch neun Tage mit lavieren zu, bis wir endlich den 26ten August, da man sich vier und zwanzig Stunden lang ohne Unterlaß der Ruder bedient hatte, in der Nacht in die Mündung des Seebusens, und den 27ten Abends in den längst gewünschten Hafen [Petropavlovsk] selbst kamen.

ödematöse Geschwulst: durch Wassereinlagerung verursacht
gestopften Tertianfieber: Malaria
8ten December: nach dem russischen/julianischen Kalender, nach unserem/gregorianischen Kalender starb Bering am 19. Dezember

Georg Wilhelm Steller, Reise von Kamtschatka nach Amerika mit dem Commandeur-Capitän Bering, St. Petersburg 1793, S. 112 f., S. 115 f. und S. 129 f.

Sammeln, suchen, beschreiben – der deutsche Beitrag zur Expedition

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Die deutschen Teilnehmer der Expedition waren keine wagemutigen Kapitäne und furchtlosen Seeleute, sie waren Wissenschaftler. Der Naturwissenschaftler Johann Georg Gmelin, der Historiker Gerhard Friedrich Müller und der Mediziner Georg Wilhelm Steller steuerten keine Schiffe ins Unbekannte, sie durchreisten den gesamten sibirischen Raum (Steller gar bis nach Alaska) und sammelten, beobachteten und schrieben auf. Dieses Land war zwar erobert worden, aber abseits der verstreut liegenden Kosakenfestungen noch völlig unbekannt. Die deutschen Forscher änderten das.

Gmelin kümmerte sich um die Pflanzenwelt: Er sammelte jedes ihm unbekannte Kraut und jede Blume, ließ sie abzeichnen und verfasste nach seiner Rückkehr die vierbändige 'Flora Sibirica' mit über 1200 Pflanzenbeschreibungen. Müller interessierte sich für die Geschichte des Landes und die Sprache seiner Bewohner. Er befragte die Einheimischen, durchwühlte die Archive und verfasste seine Sammlung Russischer Geschichte – bis heute gilt er damit als 'Vater der sibirischen Geschichtsschreibung'. Steller reiste von den dreien am weitesten, nämlich auf Vitus Berings Schiff bis nach Alaska. Eigentlich war er als Schiffsarzt mitgenommen worden, aber auch er sammelte wie besessen alles, was ihm unterwegs interessant erschien. Noch als Gestrandeter auf der Beringinsel beobachtete und beschrieb er die dort ansässigen Seekühe, die seitdem seinen Namen tragen (aber schon kurze Zeit später von russischen Jägern ausgerottet wurden).

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Eine Darstellung der Asiatischen Pfingstrose aus Gmelins 'Flora Sibirica'.
Gmelin entdeckte und beschrieb die Blume während seiner Sibirienreise.

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Von den [...] Calmücken, sagt Abdulgasi, daß sie zu Tschingis Zeit in der Gegend der vorerwehnten in den Ikar-muran fallenden 8 Flüsse gewohnet. Sie hatten damahls einen Chan Tochabegi zum Anführer gehabt, welcher mit seinen beyden Söhnen, Inalzi und Tauranzi, sich eine geraume Zeit dem Tschingis Chan widersetzet, weil sie aber von demselben überwältiget worden, so hätten die Calmücken seithdem die Oberherrschaft der Mongolen erkennen müssen. [...]

Sie theilen sich in vier Hauptstämme, welche sie Dörbön-Ölöth nennen. Dörbön bedeutet in der Calmückischen Sprache die Zahl Viere. Ölöth aber ist theils der allgemeine Nahme des Volks, theils der Nahme des vornehmsten der angeregten vier Hauptstämme. [...] Nachdem das grosse Tatarische Reich der Tschingis Chans sein Ende erreichet, scheinen die Calmücken sich in so viel kleine Herrschaften, als es unter ihnen Geschlechter gegeben, zertheilet zu haben. Diese zogen weit und breit umher, führten oft untereinander Kriege, und waren zuweilen ihren Nachbaren sehr überlästig. In diesem Zustande hat man sie noch zur Zeit der Eroberung von Sibirien angetroffen.

Abdulgasi: Abu'l Ghazi Bahadur (1603–1663), mongolischer Geschichtsschreiber
Tschingis:
Dschingis Khan, gest. 1227, mongolischer Feldherr und Großkönig
Chan: oft auch Khan, mongolisch für 'König'
Tatarisch: mongolisch

Gerhard Friedrich Müller, Sammlung Rußischer Geschichte, Band 6, St. Petersburg 1761, S. 137–140, http://gdz.sub.uni-goettingen.de/dms/load/img/?PID=PPN331767228&physid=PHYS_0003 [13.02.2025].

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Aufgabe

Geschichte über die Schriftlosen

  1. 1
    Fasse die Inhalte der Quelle in eigenen Worten zusammen.
  2. 2
    Georg Friedrich Müller erforschte in Sibirien Völker, die keine Bücher oder andere schriftliche Quellen produziert hatten. Nenne zwei Möglichkeiten, um etwas über die Vergangenheit von Menschen zu erfahren, die selber nichts über ihre Vergangenheit aufgeschrieben haben.
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