Vertiefung 3.3 Staatlich geförderte Migration
Im letzten Kapitel ist vielleicht der Eindruck entstanden, dass Staaten Migration grundsätzlich ablehnen und sie immer als Problem ansehen, wenn Menschen einreisen wollen. Das ist historisch aber falsch. Oft werben und locken Staaten Migranten regelrecht an, in der Hoffnung, Menschen dazu zu bewegen, sich dauerhaft bei ihnen niederzulassen.
Nordrhein-Westfalen
Kernlehrplan für die Sekundarstufe I und II Gymnasium in Nordrhein-Westfalen
Sek I: KLP
Sek II: Entwurf 2025 und KLP 2013
kapitelspezifisch:
- Sek II Einführungsphase: Inhaltsfeld 1 „Erfahrungen mit Fremdsein in weltgeschichtlicher Perspektive“
(Weitere thematische Bezüge in anderen Kapiteln: Mensch als Wanderer, Reisende, Fremdsein, Migration, Identität: Vertiefung 3.1, Vertiefung 3.2, Vertiefung 3.3, Vertiefung 1.1, Vertiefung 1.2, Vertiefung 1.3, Vertiefung 1.4, Vertiefung 1.5, 3.1)
Sachsen
Lehrplan Geschichte Gymnasium (Fassung: 2004, 2007, 2009, 2011, 2019) in Sachsen
Sek I/II: Lehrplan Geschichte
kapitelspezifisch:
- Klasse 5: Lernbereich 1 „Orientierung in der Vergangenheit“
In diesem Kapitel zeigen wir historische Beispiele, bei denen in der Vergangenheit gezielt Menschen aus dem Ausland angeworben wurden, um zu arbeiten oder Ländereien zu besiedeln. Wir zeigen, dass dieser Vorgang von Staaten auch ausdrücklich erwünscht sein kann.
Übersicht Kapitelinhalte
Edikt von Potsdam – religiöse Flüchtlinge für Wirtschaftsaufschwung

Urheber: Gottfried (Godefroy) Engelmann · https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Le_Dragon_missionnaire.jpg · PD
Am Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 lagen große Teile Brandenburgs wirtschaftlich darnieder. Nachdem jahrzehntelang Armeen durchs Land marschiert waren, erobert, rückerobert, belagert und vor allem geplündert hatten, war das Land ausgeblutet und der Bevölkerungsstand eingebrochen. Der brandenburgische Kurfürst Friedrich Wilhelm wollte sein Fürstentum wirtschaftlich wieder aufbauen und wusste, dass er dafür vor allem neue Untertanen brauchte. Aber wie sollte er Menschen ins kriegsgebeutelte und verarmte Brandenburg locken? Er bot zukünftigen Siedlern etwas an, das damals in Europa oft schwer zu bekommen war: religiöse Toleranz.
Aus Österreich vertriebene Juden oder in Frankreich verfolgte Hugenotten – in Brandenburg durften sie sich niederlassen und ihre Religion (unter bestimmten Auflagen) frei ausüben. Auf diesem Weg brachte Friedrich Wilhelm nicht nur Menschen nach Brandenburg, sondern auch Bildung, Geld und Unternehmergeist. Seine Neuansiedler waren keine Armuts- oder Kriegsflüchtlinge, insbesondere die Hugenotten waren daheim in Frankreich oft wohlhabende Bürger, Handwerker und Landwirte gewesen. Sie brachten das Know-how und oft auch das Kapital mit, um sich in Brandenburg schnell eine neue wirtschaftliche Existenz aufzubauen.
'Hugenotten' ist die Bezeichnung für die Franzosen, die sich im Laufe der Reformation zum Protestantismus bekannten. Die Hugenotten waren vor allem Anhänger des Schweizer Reformators Johannes Calvin. Wie auch in Deutschland kam es in Frankreich in der Folge der Reformation zu Gewalt und kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten. Im Edikt von Nantes 1598 wurde den Hugenotten dann jedoch freie Religionsausübung zugesichert, was Frankreich einige Jahrzehnte religiösen Friedens bescherte. Mit dem Aufkommen des Absolutismus im 17. Jahrhundert brachen Konflikte zwischen Hugenotten und der katholischen Krone aus und es setzte eine erneute Verfolgung der Hugenotten ein. Diese gipfelte im Edikt von Fontainebleau 1685, in dem König Ludwig XIV. protestantische Gottesdienste in Frankreich komplett verbot. Ein Großteil der französischen Hugenotten verließ daraufhin Frankreich.
Lukas Epperlein, Digitale Lernwelten, GmbH
Das Edikt von Potsdam von 1685 richtete sich direkt an die in Frankreich verfolgten protestantischen Hugenotten. Im Mittelpunkt des Edikts stand die Gewährung umfassender Religionsfreiheit: Den Glaubensflüchtlingen wurde erlaubt, ihren reformierten Glauben frei und öffentlich auszuüben, eigene Gottesdienste abzuhalten sowie Kirchen und Schulen zu gründen, ohne staatliche oder kirchliche Repressionen befürchten zu müssen. Zusätzlich dazu wurden den Hugenotten im Edikt auch wirtschaftliche Privilegien wie Steuerbefreiungen und die Bezahlung ihrer Pfarrer durch das Fürstentum zugesichert.
Lukas Epperlein, Digitale Lernwelten, GmbH
Hugenotten in Brandenburg





Der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm begrüßt die hugenottischen Flüchtlinge in Brandenburg – Relief von 1885
Das Edikt von Potsdam von 1685, in welchem Friedrich Wilhelm den französischen Glaubensflüchtlingen Religionsfreiheit, aber auch Steuererleichterungen und Wirtschaftssubventionen zusicherte, wenn sie sich in Brandenburg ansiedelten.
Die erste Französische Kirche am Berliner Gendarmenmarkt auf einem Stich von 1740. In der Friedrichstadt, in der Umgebung des heutigen Gendarmenmarkts, siedelten sich viele der französischen Neubürger an. Um 1700 war etwa jeder fünfte Einwohner Berlins Hugenotte.
Heute steht der 'Französische Dom' neben der ersten Französischen Kirche in Berlin.
Der Schriftsteller Theodor Fontane ist einer der vielen berühmten Deutschen hugenottischer Herkunft.
Urheber: Johannes Boese · https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Relief_1885.jpg?uselang=de · PD
Urheber: Der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm (The Great Elector) · https://commons.wikimedia.org/wiki/File:EdiktPotsdam.jpg · CC 4.0
Urheber: Johann David Schleuen · https://commons.wikimedia.org/wiki/File:FranzKirche_1740.jpg?uselang=de · PD
Urheber: Berthold Werner · https://de.wikipedia.org/wiki/Französischer_Dom#/media/Datei:Berlin_Franzoesicher_Dom_BW_5.jpg · CC BY-SA 3.0
Urheber: Carl Breitbach (1833–1904) · https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Theodor_Fontane_Breitbach.jpg · PD

https://www.youtube.com/watch?v=0gu59k6eCyM&start=21&end=327
- 1Erkläre kurz, wer die Hugenotten waren.
- 2Begründe, warum sie ihr Heimatland verlassen mussten.
- 3Skizziere, wo und warum sie eine neue Heimat finden konnten.
Verschenktes Land in den USA – der Homestead Act

Urheber: ChatGPT · ChatGPT · CC 4.0

Urheber: United States Census Bureau · https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Distribution_of_US_Rural_Population_during_1900.pdf · PD
Die Besiedelung des Westens ist ein zentrales Element in der US-amerikanischen Identität. Die 'Frontier' mit ihren tüchtigen Cowboys, tapferen Sheriffs und zähen Farmern gehört zum amerikanischen Selbstbild bis heute. Aber all diese Leute kamen nicht einfach so oder nur aus Abenteuerlust in die gesetzlose Wildnis des Westens. Sie kamen oft mit handfesten Geschäftsinteressen und auf der Suche nach Reichtum. Die Farmer suchten dabei etwas, was es in Europa und an der amerikanischen Ostküste schon längst nicht mehr gab: freies Land. Im amerikanischen Westen gab es dieses Land in Hülle und Fülle (auch, weil man die vorherigen Nutzer des Landes getötet und vertrieben hatte). Und die amerikanische Regierung, die aus dem Wilden Westen schnell besiedeltes und bewirtschaftetes Land machen wollte, verschenkte dieses Land im großen Stil.
Über 10 Prozent der Fläche der heutigen USA wurden durch Gesetze wie den Homestead Act von 1862 von der Regierung an die Farmer überschrieben, die das Land abgesteckt, kultiviert und bewirtschaftet hatten. Aus dem Lebensraum der amerikanischen Ureinwohner, den großen Präriegebieten westlich des Mississippi, wurde so Privateigentum für (größtenteils weiße) Einwanderer.
Der Homestead Act von 1862 gestattete es jedem US-Bürger über 21 Jahren, sich auf einem bis dahin unbesiedelten Stück Land niederzulassen, sich ein 160 Acre (etwa 65 Hektar) großes Grundstück abzustecken und zu bewirtschaften. Nach einer Dauer von fünf Jahren wurde der Siedler dann zum Eigentümer. Diese Frist konnte durch Bezahlen von 1,25 US-Dollar pro Acre Land (insgesamt also 200 US-Dollar) auf sechs Monate verkürzt werden.

Urheber: https://www.archives.gov/education/lessons/homestead-act/images/homestead-certificate.jpg · https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Freeman_homestead-certificate.jpg?uselang=de · PD
Finde auf dem Gemälde „American Progress“ von 1872 die fleißigen Farmer, den Ort, an dem die Neusiedler in den USA ankommen und die vertriebenen Ureinwohner. Klicke sie an.

Anwerbeabkommen der BRD – 'Gäste', die blieben

Urheber: Bundesarchiv, B 145 Bild-F013093-0001 / Unterberg, Rolf / CC-BY-SA 3.0 · https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_B_145_Bild-F013093-0001,_Köln,_Schokoladenfabrik_Stollwerck,_Gastarbeiterinnen.jpg · CC BY-SA 3.0
In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich in der Bundesrepublik das sogenannte „Wirtschaftswunder“, das heißt, jahrelang wuchs die deutsche Wirtschaft stark – die Produktion wuchs, die Gewinne wuchsen und der Bedarf an Arbeitskräften wuchs. Spätestens Anfang der 60er Jahre wurde klar, dass die deutsche Bevölkerung diesen Bedarf nicht alleine erfüllen konnte: Die Arbeitslosigkeit lag nahe 0 % und in Industrie und Landwirtschaft wurde händeringend nach Arbeitskräften gesucht. In anderen europäischen Ländern sah die Lage anders aus. In Italien und Spanien gab es hohe Arbeitslosigkeit und viele Menschen, die bereit waren, für eine Chance auf Wohlstand große Entbehrungen auf sich zu nehmen.
Die Bundesrepublik schloss mit diesen Staaten (zuerst 1955 mit Italien, später auch mit Spanien, Griechenland, der Türkei u. a.) „Anwerbeabkommen“, in denen sie deren Bürgern Arbeitserlaubnisse und Zugang zu Arbeitsverträgen bei deutschen Firmen garantierte. Diese Anwerbungen wurden zunächst von der Bundesrepublik (und wohl auch vielen Migranten) als zeitlich begrenzt angesehen: Nach ein paar Jahren der Arbeit in Deutschland sollten die 'Gastarbeiter' wieder in ihre Herkunftsländer zurückkehren. Sie stellten sich dann aber oft als längerfristige Neuansiedlungen heraus. Viele der türkischen, marokkanischen oder jugoslawischen Arbeiter ließen sich dauerhaft in Deutschland nieder, holten ihre Familien nach und prägen die deutsche Gesellschaft bis heute.

© Chris Liebscher, Digitale Lernwelten GmbH · zitiert nach: https://taz.de/Migration-nach-Deutschland/!6110486/ · Alle Rechte vorbehalten
Vom Gast zum Bürger




Anfangs wurden die zumeist männlichen Arbeiter häufig in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Das Foto zeigt drei italienische VW-Arbeiter in ihrem Zimmer in Wolfsburg, 1973.
Niemand lebt gerne lange Zeit in Gemeinschaftsunterkünften. Die Arbeiter, die länger blieben, und vor allem jene, die ihre Familien nachholten, zogen in Wohnungen in den Städten. Das Foto zeigt eine Arbeiterfamilie in ihrer Wohnung in Wolfsburg, 1973.
Viele der eingewanderten Arbeiter wollten in der Nähe ihrer Landsleute wohnen und waren gleichzeitig auf bezahlbare Mieten angewiesen. Das führte dazu, dass bestimmte Viertel und Straßenzüge stark von Einwanderern bewohnt wurden. Als diese dann noch ihre eigenen Geschäfte und Restaurants dort eröffneten, konnte man davon sprechen, dass die früheren 'Gastarbeiter' das Stadtbild in vielen deutschen Städten mitprägten. Das Foto zeigt die Kölner Keupstraße, in der viele türkisch- und kurdischstämmige Familien leben.
Die Karte zeigt alle Länder (orange), mit denen die BRD (grün) Abkommen zur Anwerbung von Arbeitskräften abschloss.
Urheber: Bundesarchiv, B 145 Bild-F038815-0016 / Schaack, Lothar / CC-BY-SA 3.0 · https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_B_145_Bild-F038815-0016,_Wolfsburg,_VW_Autowerk,_Unterkunft_Gastarbeiter.jpg?uselang=de · CC BY-SA 3.0
Urheber: Bundesarchiv, B 145 Bild-F040746-0018 / Schaack, Lothar / CC-BY-SA 3.0 · https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_B_145_Bild-F040746-0018,_Wolfsburg,_Gastarbeiterfamilie_in_ihrer_Wohnung.jpg?uselang=de · CC BY-SA 3.0
Urheber: Superbass · https://commons.wikimedia.org/wiki/File:2025-06-20-Keupstraße-3459.jpg · CC BY-SA 4.0
Urheber: NordNordWest · https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Anwerbeabkommen_der_Bundesrepublik_Deutschland_1955–1968.svg?uselang=de · PD

- 1Vergleiche die drei historischen Beispiele für staatlich geförderte Migration. Gehe dabei vor allem auf folgende Punkte ein: Gründe für die staatliche Förderung, Maßnahmen, um die Migration zu befördern, und Erfolg der Maßnahmen ein.
- 2Überlege, was man dir anbieten müsste, damit du bereit wärst, in ein fremdes Land zu ziehen und dort ein neues Leben zu beginnen.
Prominente Auswanderer
Berühmtheiten, Künstler, Sportler oder Schauspieler führen oft auch ein sehr internationale Leben. Dabei wechseln sie oft den Wohnsitz, manchmal nehmen sie auch neue Staatsbürgerschaften an. Internationale Stars sind in den meisten Ländern willkommen, weshalb wir in diesem Zusammenhang durchaus von staatlich geförderter Migration sprechen können. Woraus die staatliche Förderung besteht – Steuererleichterungen, schnelle Einbürgerung oder andere Privilegien – unterscheidet sich von Fall zu Fall.
Prominente Auswanderer






Der portugiesische Fußball-Weltstar Cristiano Ronaldo unterschrieb 2023 einen Vertrag bei einem neuen Verein. Er zog daraufhin mit seiner Familie in das Land seines neuen Arbeitgebers. Dies war nur möglich, weil Ronaldo eine Sondergenehmigung erhielt, mit seiner Partnerin unverheiratet zusammenzuleben, was in diesem Land eigentlich verboten ist.
Der deutsche Rapper Fler verließ Deutschland 2025. Nach seinen Gründen gefragt, sagte er in einem Interview: „Ich bin fertig mit diesem Deutschland, weil ich gemerkt habe, dass die Leute gierig sind, neidisch sind, abgef*ckt sind und null Beständigkeit haben.“ Eine Rolle könnte auch gespielt haben, dass er in seiner neuen Heimat erheblich geringere Einkommensteuer zahlen muss und legal Werbung für Online-Casinos machen kann, womit Fler mittlerweile Teile seines Einkommens bestreitet.
Nach dem zweiten Wahlsieg Donald Trumps entschied sich die US-amerikanische Schauspielerin Eva Longoria, ihre vorher gemachte Ankündigung wahrzumachen und die USA zu verlassen.
Ihr Kollege George Clooney tat dasselbe, allerdings nahm er auch gleich die Staatsbürgerschaft seiner neuen Heimat an, die ihm schnell und unkompliziert zugesprochen wurde.
Das deutsche Supermodel Heidi Klum hat ihren Hauptwohnsitz außerhalb Deutschlands in einem Land, dessen Staatsbürgerschaft sie auch 2008 angenommen hat.
Der französische Schauspieler Gérard Depardieu verließ 2012 aus Protest gegen zu hohe Besteuerung seine Heimat. Er nahm die Staatsbürgerschaft eines anderen Landes an und verlegte auch seinen offiziellen Hauptwohnsitz dorthin.
Urheber: Student News Agency · https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Cristiano_Ronaldo_playing_for_Al_Nassr_FC_against_Persepolis,_September_2023_(cropped).jpg · PD
Urheber: MEMO FILIZ · https://commons.wikimedia.org/wiki/File:FLER_Berlin.jpg · CC BY-SA 4.0
Urheber: Harald Krichel · https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Eva_Longoria-1384.jpg · CC BY-SA 4.0
Urheber: Harald Krichel · https://commons.wikimedia.org/wiki/File:George_Clooney-69990.jpg · CC BY-SA 4.0
Urheber: Toglenn · https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Heidi_Klum_by_Glenn_Francis.jpg · CC BY-SA 4.0
Urheber: Georges Biard · https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gérard_Depardieu_Cannes_2015.jpg · CC BY-SA 3.0
In welches Land sind die prominenten Migranten aus der Galerie ausgewandert?
Und heute?
Demografischer Wandel und Fachkräftemangel: Diese beiden Schlagwörter bezeichnen Probleme, die Deutschland 2026 mit seiner Bevölkerungszusammensetzung hat. Demografischer Wandel beschreibt die Entwicklung, dass die Bevölkerung immer älter wird. Dadurch wird das deutsche System der Alterssicherung immer teurer, da immer mehr Renten- und Pensionsbezieher immer weniger Menschen gegenüberstehen, die mit Steuern und Rentenbeiträgen in das System einzahlen. Ein weiteres Problem ist, dass viele Wirtschaftsbetriebe Probleme haben, Stellen zu besetzen, die gut ausgebildete Arbeitskräfte erfordern.
Viele Politiker und Wissenschaftler sind der Meinung, dass beide Probleme durch gezielt angeworbene Arbeitsmigration nach Deutschland gelöst werden könnten. Wenn es Deutschland gelänge, hochqualifizierte Arbeitsmigranten anzuwerben, könnten sowohl die freien Stellen besetzt als auch die Anzahl der Beitragszahler ins Sozialsystem erhöht werden.
Gruppenarbeit
- 1Bildet Gruppen mit je 3-4 Mitgliedern.
- 2Überlegt euch gemeinsam ein Anwerbeprogramm der Bundesrepublik, mit dem gut ausgebildete Arbeitsmigranten ins Land gelockt werden könnten. Lasst euch dabei von den Maßnahmen der Vergangenheit, die wir in diesem Kapitel vorgestellt haben, inspirieren, aber entwickelt auch neue Ideen. Nennt mehrere Maßnahmen, mit denen die BRD ihre Attraktivität für gut ausgebildete potenzielle Arbeitsmigranten erhöhen könnte.
- 3Stellt euch vor, eine deutsche Bundesregierung legt tatsächlich ein Anwerbeprogramm für mehrere Hunderttausend Arbeitsmigranten auf. Überlegt euch, wie die deutsche Öffentlichkeit, Medien und Oppositionspartei auf dieses Programm reagieren könnten.
- 4Sucht euch eines der beiden historischen Beispiele aus: den Brandenburgischen Kurfürsten oder die US-Regierung 1862. Überlegt, warum es für die damaligen Machthaber einfacher war als für einen heutigen Bundeskanzler, ein groß angelegtes Anwerbeprojekt für ausländische Arbeitskräfte durchzuführen. Was waren die Unterschiede zur heutigen Situation in Deutschland?
