Methode: Ausstellungen
Jedes Mal, wenn ich in meiner Heimatstadt in eine Ausstellung zu irgendeinem historischen Thema gehe, frage ich mich, wer all die Ausstellungsvitrinen, die Aufbauten, Hörstationen und Texttafeln bezahlt. Das kostet ja alles sehr viel Geld. Hinter dieser einfachen Frage steckt vielleicht mehr, als man im ersten Moment annimmt. Wer macht eigentlich Ausstellungen? Warum sind diesen Leuten alte Geschichten und Gegenstände so wichtig, dass sie viel Geld dafür ausgeben? Und geht es dir nicht manchmal auch so, dass eine Ausstellung dir riesig vorkommt? Viele Ausstellungsräume, viele Informationen und irgendwann ist man einfach müde.
Auf dieser Methodenseite will ich einen Blick hinter die Kulissen von Ausstellungen werfen und Methoden vorstellen, mit denen man sie untersuchen und verstehen kann.
1. Ausstellungen und wie sie entstehen
Ausstellungen sind nicht einfach da. Sie fallen auch nicht vom Himmel. Sie werden von Menschen gemacht. Und diese Menschen wollen etwas mitteilen – zu bestimmten Themen, aus ganz bestimmten Perspektiven und mit Botschaften für die Besucherinnen und Besucher. Und es gelten Regeln für die Erstellung von Ausstellungen, auch wissenschaftliche.
Themen von Ausstellungen
Nicht alle Ausstellungen sind gleich. Zu jedem Thema, das Menschen interessiert, kann es Ausstellungen geben: zu Alltags- oder Luxusgegenständen, zu wissenschaftlichen Fachgebieten wie Biologie, Geographie oder Physik, zur Berufswelt und zum Freizeitleben, zu Kunstobjekten und Hinterlassenschaften von Menschen der Vergangenheit.
Historische Ausstellungen
In historischen Ausstellungen geht es z.B. um
- größere Abschnitte des Lebens in der Vergangenheit (Epochen; z.B. 'Trier in der Römerzeit' oder 'Bayern im Mittelalter').
- bestimmte Themen der Geschichte (z.B. Kriege, Revolutionen, Erfindungen und ihre Folgen, Hexenverfolgungen, Zusammenleben von Frau und Mann in der Vergangenheit).
- das Leben einzelner Personen, die als außergewöhnlich, vorbildhaft oder nicht vorbildhaft dargestellt werden (z.B. Johannes Gutenberg, Jerome Bonaparte, Kaiser Wilhelm II., Adolf Hitler).
- die Bewertung eines bestimmten Ereignisses der Vergangenheit durch Menschen (Historiker, Politiker etc.). Bsp.: Welche Meinung hatten die Historiker des 19. Jahrhunderts über das Heilige Römische Reich Deutscher Nation und welche Meinung haben Historiker in der Gegenwart dazu?
Gründe für Ausstellungen
Menschen sammeln gern, sind neugierig und sie zeigen ihre Erkenntnisse oder ihren Besitz gern. Das sind die Grundlagen für Ausstellungen.
Orte historischer Ausstellungen
In fast jeder mittleren oder größeren Stadt gibt es Heimat- und Sachkunde-Museen, die sich mit Themen der örtlichen Geschichte befassen. Diese werden durch kürzer dauernde Ausstellungen ergänzt. Zu dauerhaften Ausstellungen in Museen kommen also zeitlich begrenzte Ausstellungen, die manchmal auch an unterschiedlichen Orten gezeigt werden (Wanderausstellungen).
Eine Ausstellung ist also nicht an einen bestimmten Ort wie ein bestimmtes Museum gebunden. Sie kann auch in anderen passenden Räumen gezeigt werden (Stadthallen, Schulen, Galerien etc.).Es gibt auch Freilichtausstellungen, die z.B. an solchen Orten eingerichtet werden, wo Menschen früher gelebt haben und die Reste ihrer Häuser, Arbeitsstätten, Handelsplätze und Freizeitanlagen ausgegraben und erforscht werden. Der Archäologische Park in Xanten (APX), den du in der nächsten Bildergalerie sehen kannst, erstreckt sich über mehrere Gebäude und ein weitläufiges Außengelände.
Marcus Ventzke, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
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Heinrich-Wiens_Teil1_1.mp4
Der Museumskurator Heinrich Wiens über den persönlichen Wert des Museums
- 1Ausstellungsstücke:
Damit sind die Objekte gemeint, die aus der Vergangenheit stammen, auf die sich die Ausstellung bezieht (Kleidungsstücke, Haushaltsgegenstände, Arbeitsgeräte, Schmuckstücke, Ausgrabungsobjekte usw.).Hinzu kommen sehr oft Bilder oder Schriftstücke, die etwas über diese Vergangenheit aussagen, sie abbilden oder wiedergeben, was Menschen über das Geschehen der Vergangenheit gedacht haben (Historiengemälde über Schlachten, Paraden, Krönungen, Hinrichtungen usw.). - 2Erklärungselemente:
Texte, Medien oder Objekte, die Ausstellungsstücke näher oder besser erklären. Dazu gehören natürlich die Erklärungen, die sich neben den meisten Ausstellungsstücken befinden, aber auch Grafiken und Computerstationen usw. - 3Gestaltungselemente:
Das sind all jene Dinge im Museum, die dazu dienen, die Ausstellungsstücke in Szene zu setzen, sie also in einer bestimmten Weise zu zeigen. Dazu gehören Beleuchtungen, Vitrinen, Ausstellungsbauten (Wände, Podeste usw.), Klanginstallationen, Farbgebungen in den Räumen, Hinweisschilder usw.
Marcus Ventzke, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
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Friesen_Teil_1_1.mp4
Der Mitbegründer des Museums für russlanddeutsche Kulturgeschichte erläutert, wie die Ausstellung entstand und wie das Museum zu seinen Exponaten gekommen ist.
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Nico_Wiethof_Teil3.mp4
Der Sammlungskurator Nico Wiethof vom Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte erläutert eine persönliche Erfahrung über die Wichtigkeit einer Ausstellung
2. Ausstellungen untersuchen
- 1Untersuche die Oberfläche einer Ausstellung
- 1.1Ermittle unterschiedliche Elemente der Ausstellung (siehe Methode I).
- 1.2Stelle fest,
- 1.2.1wer diese Objekte geschaffen hat,
- 1.2.2wer den Auftrag dazu gegeben hat und
- 1.2.3was sie über die Zeit, in der sie entstanden sind und genutzt wurden, aussagen.
- 1.2.1
- 1.3Finde heraus,
- 1.3.1wem die Objekte früher gehörten,
- 1.3.2wem sie heute gehören und
- 1.3.3wie sie in die Ausstellung gekommen sind?
- 1.3.4Hinweis: Nutze dafür auch die zusätzlichen Informationen der Gestaltungselemente.
- 1.3.1
- 1.1
- 2Untersuche die Gestaltungselemente einer Ausstellung
- 2.1Ermittle, welche Elemente eingesetzt werden.
- 2.2Stelle fest, welche Wirkung diese Elemente haben oder haben sollen (ein Objekt besonders hervorheben, eine bestimmte Sache betonen usw.).
- 2.1
- 3Verbinde Ausstellungsstücke und Erklärungselemente
- 3.1Welchen Inhalt hat das Ausstellungsstück? (Beschreibe, was dargestellt wird.)
- 3.2Beziehe die Erklärungen zu diesem Ausstellungsstück und die Inhalte anderer Ausstellungsstücke ein, um seine 'Botschaft' zu verstehen. (Deute das Ausstellungsstück oder die Ausstellungsstücke.)
- 3.1
- 4Sieh die Ausstellungsstücke und ihre Erklärungen im Zusammenhang
- 4.1Ermittle die Botschaften größerer Ausstellungsteile (Räume).
- 4.2Stelle den Zusammenhang von Ausstellungsstücken, Erklärungselementen und Gestaltungselementen fest (z.B. Objekt+Vitrine+Beschriftung+Beleuchtung durch Scheinwerfer = Wirkung).
- 4.1
- 5Erarbeite eine Bewertung der Ausstellung
- 5.1Unterziehe die Ausstellung einer Einschätzung.
- 5.2Beziehe dabei dein Vorwissen, deine eigenen Sichtweisen auf ein Ereignis der Vergangenheit und die Herausforderungen deines eigenen Lebens ein.
- 5.3Suche als Faustregel immer eine Antwort auf folgende Frage: „Was nutzt mir das für mein eigenes Leben?“
- 5.1
Merke: Wenn du eine Ausstellung untersuchen willst, musst du immer fragen:
Wer will mir, mit welchen Mitteln, warum, welche Geschichte erzählen?
Marcus Ventzke, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt




In Ausstellungen werden Objekte in einer bestimmten Form gezeigt: in Vitrinen, mit Beschriftungen, vor dem Hintergrund von gezielt ausgewählten Farben, in bewust gewählten Abständen zu anderen Objekten usw.
Eine Schultasche: Wem gehörte sie? Wofür steht sie? Wie ist sie ins Museum gekommen? Wie kann sie erhalten werden?
Ausstellungen behandeln oft mehrere Themen. Daher haben sie Abschnitte mit unterschiedlichen Inhalten. Solche Abschnitte werden oft mit längeren Erklärungen eingeleitet, damit die Besucherinnen und Besucher wissen, worum es geht und worauf sie achten sollten.
Ausstellungsvitrine: Warum werden Objekte in dieser Form gezeigt?
© Digitale Lernwelten GmbH · Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte Detmold · Alle Rechte vorbehalten
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In der Erkundung hast du nicht nur erfahren, um welche Art von Objekten es sich handelt, sondern auch, für was sie da sind. Eine Ausstellung ist jedoch nicht nur eine Ansammlung von Objekten und Elementen, sondern versucht eine bestimmte Geschichte zu erzählen. Überlege dir anhand der gezeigten Objekte, welche Geschichte hier erzählt wird und warum die Steine am Boden deshalb nicht nur ein Gestaltungselement, sondern auch ein Erklärungselement sind. Die Antwort darauf findest du im folgenden Kasten.
Aus dem Foto und den Erklärungen erfahren wir Folgendes:
- 1Ausgestellt werden vor allem Amphoren und Keramiken.
- 2Das Römische Reich erstreckte sich über große Teile des Mittelmeerraums und Europas.
- 3Die Keramiken stammen aus unterschiedlichen Teilen des Römischen Reichs.
- 4Mit Amphoren transportierte man Waren.
Besucher sollen sich die Frage stellen: Wie kommen die Waren und Gegenstände aus unterschiedlichen Teilen des Reichs bis nach Xanten, das am nördlichen Rand des Römischen Reichs lag?
Die Steine sollen eine der berühmten römischen Straßen darstellen, die das riesige Römische Reich durchzogen. Es soll also verdeutlicht werden, dass es bei diesem Teil der Ausstellung um das Handeln und das Reisen im Römischen Reich geht. Die Pflastersteine sind also Gestaltungs- und Erklärungselement.
In die Karte sind Schaukästen eingelassen, in denen verschiedene Keramiken ausgestellt sind. Die Position der Kästen in der Karte legt nahe, dass die Objekte von den entsprechenden Orten stammen.
Die Objekte in den Schaukästen sind also Erklärungselemente, die etwas über das Römische Reich aussagen, und gleichzeitig Ausstellungsobjekte, die im Museum präsentiert werden.
Die Karte im Hintergrund ist aufwendig gestaltet und zeigt verschiedene Städte im Römischen Reich.
Es handelt sich hier sowohl um ein Gestaltungselement, das die Amphoren im Vordergrund in Szene setzt, als auch um ein Erklärungselement, das eine Aussage über das Römische Reich trifft.
Die Entscheidung, die Installation und die Objekte auf dieses Kopfsteinpflaster zu stellen, wirkt im ersten Moment wie eine Dekoration des Raums.
Bei den Steinen handelt es sich also um ein Gestaltungselement.
Der Text und das kleine Foto geben dem Besucher detailliertere Erklärungen zu den ausgestellten Objekten und der Installation, die der Besucher hier sieht.
Der Text und das Bild sind ein Erklärungselement.
Die Amphoren wurden auf dem Gelände des Archäologischen Parks Xanten (APX) ausgegraben und werden dort im Museum ausgestellt. In solchen Amphoren wurden verschiedenen Waren transportiert.
Es handelt sich dabei eindeutig um Ausstellungsstücke.
3. Gestaltungsmöglichkeiten in Ausstellungen:
So?
Oder so?




Zusammenhang?
Beleuchtung?
Umgebung?
Erklärung?
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