1.3 Eingeladene Siedler auf frisch erobertem Land

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Heute sind Russlanddeutsche Menschen, die vor einiger Zeit von Russland nach Deutschland ausgewandert sind. Aber das erklärt den Namen 'Russlanddeutsche' noch nicht. Warum heißen diese Menschen dann nicht 'Russen' oder 'russische Migranten'? Russlanddeutsche heißen Russlanddeutsche, weil sie Deutsche sind, die aus Russland nach Deutschland ausgewandert sind. Das wirft ein paar Fragen auf: Was machten diese Deutschen in Russland? Wie kamen sie dorthin? Wann sind sie nach Russland ausgewandert und warum? In diesem Kapitel schauen wir uns an, wie die Russlanddeutschen überhaupt zu Russlanddeutschen wurden.

Nordrhein-Westfalen

Kernlehrplan für die Sekundarstufe I und II Gymnasium in Nordrhein-Westfalen
Sek I: KLP
Sek II: Entwurf 2025 und KLP 2013
kapitelspezifisch
:

  • Sek. I: Inhaltsfelder 3 a) und 3 b)
    Lebenswelten im Mittelalter
    (Weitere thematische Bezüge in anderen Kapiteln:
    Menschen auf Reisen: Siedler an der Wolga: 2.1,
    Vernetzung, transkontinentale Beziehungen Deutsch-Balten, deutsche Eliten in Russland: 1.1, 1.2)
  • Sek. I: Inhaltsfeld 4: Frühe Neuzeit
    Neue Welten, neue Horizonte
    (Weitere thematische Bezüge in anderen Kapiteln:
    Aufbruch, Umbruch, neue Lebenswelten: 1.3)
  • Sek. II: Einführungsphase: Inhaltsfeld 3
    Menschenrechte in historischer Perspektive
    (Weitere thematische Bezüge in anderen Kapiteln:
    Menschenrecht Abwanderung: 1.3)

Sachsen

Lehrplan Geschichte Gymnasium, 2004, 2007, 2009, 2011, 2019 in Sachsen
Sek I/II: Lehrplan Geschichte
kapitelspezifisch:

  • Klasse 6, Lernbereich 2
    Herrschaft und Lebensformen im Mittelalter
    (Weitere thematische Bezüge in anderen Kapiteln:
    Deutsch-Balten, Deutsche in Russland, deutsche Siedler: 1.1, 1.2, 1.3)
  • Klasse 6, Lernbereich 3
    Religionen und Kulturen im Mit- und Gegeneinander

In diesem Kapitel geht es um den Ursprung der Russlanddeutschen. Wir untersuchen die historischen Zusammenhänge, die zum Einladungsmanifest von Katharina der Großen führten, und schauen uns die Situation in den frisch eroberten Ansiedlungsgebieten an.

Übersicht Kapitelinhalte

Eine 250 Jahre alte Einladung

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Die Geschichte der Russlanddeutschen begann am 22. Juli 1763. Russlands Herrscherin, die Zarin Katharina die Große, unterzeichnete ein Schriftstück. Es war eine Einladung: Katharina suchte Siedler aus anderen Ländern, die ins Russische Reich kommen und sich dort niederlassen sollten.

Damit diese Einladung auch Eindruck hinterließ und möglichst viele Siedler kamen, machte Katharina große Versprechungen: Alle Siedler sollten eine großzügige Fläche Land bekommen und sich selbst verwalten dürfen. Außerdem sollten sie von der Steuer und vom Militärdienst befreit sein und ihre Religion ungestört ausüben dürfen.

Warum kamen überwiegend Deutsche nach Russland?

Dieses Angebot war für viele Menschen sehr verlockend, schließlich waren Steuern häufig hoch, der Militärdienst lang und oft tödlich und Religionsfreiheit unüblich.

Heute würde man das vermutlich gutes Marketing nennen. Katharinas Einladung mit den vielen Versprechen wurde in halb Europa verbreitet und vor allem deutsche Bauern und Handwerker sollten diese Einladung annehmen. Dies lag daran, dass Katharinas Manifest zwar in die deutsche, französische und englische Sprache übersetzt wurde, öffentliche Werbung in den Zeitungen aber nur in Deutschland verbreitet wurde. Der Werbekampagne folgten in den nachfolgenden Jahren zehntausende Menschen.

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1763 war der Siebenjährige Krieg zu Ende gegangen - der erste Krieg, den die Großmächte (Österreich, Frankreich, England, Preußen, usw.) auf mehreren Kontinente geführt hatten. Die deutschen Territorien hatte dieser Krieg besonders hart getroffen. Viele Dörfer und Städte und wirtschaftliche Anlagen waren zerstört worden. Allein Preußen hatte etwa 180.000 Soldaten verloren. Der Krieg hatte dazu geführt, dass enorme Schuldenberge angehäuft worden waren. Viele Menschen in den deutschen Territorien, gerade in Mitteldeutschland, lebten in bitterer Armut.

Auch Russland hatte militärische Verluste erlitten, allerdings hatte der Krieg das russische Kernland nicht betroffen und es daher auch nicht verwüstet. Die feudale Sozialordnung aber war rückständig (Leibeigenschaft). Daher konnte die Zarin armen Menschen, die in Deutschland keine wirtschaftliche Zukunft sahen, mit großzügigen Privilegien ein verlockendes Angebot machen. Sie verband damit die Hoffnung, dass deutsche Handwerker und Bauern, die keine Leibeigenen waren, Kaufleute und entwurzelte Soldaten mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen in Russland einen Modernisierungsschub auslösen würden.

Marcus Ventzke, Digitale Lernwelten GmbH

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AufgabeAus Quellen Erkenntnisse gewinnen

Erkläre, warum überwiegend Deutsche nach Russland auswanderten, obwohl das Manifest der Zarin in mehreren Ländern Europas verbreitet wurde.

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Zur Anwerbung von Siedlern wurden sogenannte Lokatoren eingesetzt. Es handelte sich um Werber, die den Menschen das Angebot der Zarin vor Ort in Deutschland erläuterten, die Deutsch sprachen und die organisatorische und finanzielle Hilfe für die Reise anboten.

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So sah sie sich selbst wahrscheinlich gerne: 1762 ließ sich Zarin Katharina II. von Vigilius Eriksen als furchtlose Heerführerin hoch zu Ross malen. Eriksen war ein dänischer Maler. Man nannte die Zarin auch 'Katharina die Große'.

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Das Manifest der Kaiserin Katharina II. von Russland (erste Seite) – Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte (Inv.-Nr.: 2010/270).

Da Uns der weite Umfang der Länder Unseres Reiches zur Genüge bekannt ist, so nahmen Wir unter anderem wahr, daß keine geringe Zahl solcher Gegenden noch unbebaut liege, die mit vorteilhafter Bequemlichkeit zur Bevölkerung und Bewohnung des menschlichen Geschlechtes nutzbarlichst könnte angewendet werden [...]. [Also] Verstatten Wir allen Ausländern, in Unser Reich zu kommen, um sich in allen Gouvernements, wo es einem jeden gefällig, häuslich niederzulassen. [...] Gestatten Wir allen in Unser Reich ankommenden Ausländern unverhindert die freie Religions-Übung nach ihren Kirchen-Satzungen und Gebräuchen; [...] [auch] erteilen Wir die Freyheit, Kirchen und Glocken-Türme zu bauen und dabey nöthige Anzahl Priester und Kirchendiener zu unterhalten [...] [Es] Soll keiner unter solchen zur häuslichen Niederlassung nach Rußland gekommene Ausländer an unsere Cassa die geringsten Abgaben zu entrichten, und weder gewöhnliche oder außerordentliche Dienste zu leisten gezwungen, noch Einquartierung zu tragen verbunden, sondern mit einem Worte, es soll ein jeder von aller Steuer und Auflagen folgendermaßen frey sein [...]

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Aufgabe

Quellen und Darstellungen analysieren

  1. 1
    Führe anhand der Quelle „Auszüge aus Katharinas Manifest vom 22. Juli 1763“ (Element 7) eine Quellenkritik durch. Nutze dafür aus der Methodensammlung die Methode schriftliche Quellen (Methode 1 und 2).
  2. 2
    Lies die Darstellung „Angebote aus dem Manifest an die Siedlungswilligen“ und erläutere die Attraktivität der Angebote für die Siedler. Ziehe zur Beurteilung auch dein bisheriges Wissen über das Leben der Menschen in Deutschland im 17. und 18. Jahrhundert heran.
    Richte dich dabei nach folgende Kriterien:
    • Abgabenlast
    • Wehrdienst
    • Herrschaft des Adels
    • Religionsfreiheit
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  • Großzügige Schenkung von Land zum Bau von Siedlungen und für die Landwirtschaft im Umfang von 35 bis 73 ha.
  • Möglichkeit, weiteres Land zu kaufen
  • Selbstverwaltung
  • keine Pflicht zum Kriegsdienst
  • Recht, die eigene Religion ausüben zu können
  • freie Gewerbeausübung
  • Selbstbestimmung über kulturelle Fragen (Sprache, Bildung usw.)
  • Befreiung von Steuerzahlungen bis zu 30 Jahre
  • Freiheit, das Land verlassen zu dürfen

Marcus Ventzke, Digitale Lernwelten GmbH

Warum lädt Katharina II. überhaupt ein?

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Das Russische Reich hatte zu Beginn von Katharinas Regentschaft drei turbulente Jahrhunderte hinter sich. In zahlreichen Kriegen entwickelte sich das Großfürstentum Moskau von einer Regionalmacht zu einem der flächenmäßig größten Staaten der Welt. Während das Reich nach Westen und Süden hin durch Kriege erweitert wurde, wurde der Osten, vor allem Sibirien, rasend schnell kolonisiert. Schon um 1700 herum reichte das Russische Reich von der Ostsee bis an die Pazifikküste.

Dieses riesige Land war größtenteils nur sehr dünn besiedelt. Je weiter ein Landesteil von Moskau entfernt war, desto schwerer war er für die Zaren zu kontrollieren. Katharina II. wollte dieses Problem an der mittleren Wolga lösen. Das Gebiet um Saratow wurde immer wieder von kasachischen Reiternomaden überfallen und kaum wirtschaftlich genutzt. Außerdem wurde das Gebiet später im sogenannten Russischen Bauernkrieg (1773–1775) zusätzlich verwüstet.

Katharina wollte dieses Gebiet wiederaufbauen lassen, es wirtschaftlich fördern und vor den Überfällen der Kasachen schützen. Dazu benötigte sie Siedler, die in das Gebiet ziehen und es neu erschließen sollten.

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Russland verfügte im 18. Jahrhundert über große, dünn besiedelte Gebiete und galt gegenüber Teilen Mittel- und Westeuropas wirtschaftlich als rückständig. Zwar wuchsen Bergbau und Manufakturen, doch Landwirtschaft und Gesellschaft waren weiterhin stark von der Leibeigenschaft geprägt.
Für die Besiedlung neuer Gebiete konnte Katharina II. deshalb nicht einfach auf russische Bauern zurückgreifen: Viele von ihnen waren als Leibeigene an ihre Grundherren gebunden. Eine umfassende Befreiung hätte die Interessen des einflussreichen Adels und der Großgrundbesitzer verletzt (помещики и дворяне).

Stattdessen warb Katharina ausländische Siedler an. Sie sollten vor allem dünn besiedelte Steppengebiete erschließen, landwirtschaftlich nutzbar machen und die wirtschaftliche Entwicklung fördern. Zugleich sollten neue Siedlungen die Grenzregionen stabilisieren und besser gegen Überfälle nomadischer Gruppen absichern.

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Die Karte zeigt die Ausdehnung des Russischen Reichs zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert.

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ТЕЛЕВИЗОР

Video: Katharinas Einladung und ihre Folgen

Aufgabe
  1. 1
    Nenne die Beweggründe, die Katharina veranlassten, Siedlern Privilegien einzuräumen.
  2. 2
    Erörtere mögliche Folgen für das Zusammenleben deutscher und russischer Bauern.

Wer kam?

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1763 hatte Mitteleuropa gerade einen langen und zermürbenden Krieg hinter sich. Im Siebenjährigen Krieg hatten sich unter anderem Preußen, Österreich und Frankreich erbittert bekämpft und dabei große Teile Deutschlands verheert und die dortige Bevölkerung verarmen lassen.

In den nicht vom Krieg betroffenen Regionen herrschte hingegen ein starker Bevölkerungsdruck. Da das zur Verfügung stehende Land weitgehend verteilt war, die Bevölkerung aber weiter wuchs, gab es viele Bauern mit zu wenig Land, um sich selbst und ihre Familien ernähren zu können.

Zudem herrschte im damaligen Europa noch eine starke religiöse Unterdrückung. Menschen, die einer anderen Konfession als der ihres Landesfürsten anhingen, wurden häufig verfolgt. Das war vor allem für verschiedene kleinere evangelische Religionsgruppen ein Problem. Die Mennoniten beispielsweise hingen einem starken christlichen Pazifismus an und lehnten jede Art von Militärdienst radikal ab. Das machte sie bei ihren jeweiligen Fürsten unbeliebt. Umso verlockender war für sie das Versprechen Katharinas von freier Religionsausübung und Befreiung vom Wehrdienst.

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Eine Karte der Herkunftsregionen und Ansiedlungsgebiete der ersten deutschen Siedler in Russland
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Viele Siedler hatten Probleme, sich in der neuen Heimat zurechtzufinden. Eines davon war das Wetter: Im Winter fiel so viel Schnee und die Kälte war so ungewohnt, dass die Menschen zu Beginn ihres neuen Lebens damit kaum umgehen konnten. Mit diesem extremen Wetter umzugehen, erforderte spezielle Kenntnisse. Hatten die Siedler sich nicht richtig vorbereitet oder kam ein unerwartetes Wetterereignis, erfroren sie oder verirrten sich. Einige Zeitzeugenberichte schildern, dass die toten Siedler erst im Frühjahr, als der Schnee taute, wiedergefunden und beerdigt werden konnten.

Sabrina Kölbel, Digitale Lernwelten GmbH

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Viele der Siedler, die nach Russland kamen, waren Künstler, Handwerker, Gelehrte oder Kaufleute, doch es gab für das, was sie gelernt hatten, oftmals nicht genug Arbeit. Um sich zu ernähren, mussten sie lernen, wie man Landwirtschaft betrieb. Sie hatten jedoch schlichtweg kaum Wissen darüber, wie sie einen Boden pflügen oder optimal bewässern sollten. Die Aussaat von Pflanzen, die Bewirtschaftung der Böden oder die richtige Pflege bei Schädlingsbefall mussten sie sich erst aneignen. Hinzu kam, dass das Klima ihrer neuen Heimat ganz anders war, als sie es gewohnt waren, und das wenige Wissen, das sie über Landwirtschaft hatten, hier nicht unbedingt anwendbar war.

Sabrina Kölbel, Digitale Lernwelten GmbH

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Aufgabe

Rollenspiel

Die Gruppe wird in zwei Hälften geteilt.
Gruppe 1
versetzt sich in die Lage von jungen Leuten, die darüber nachdenken, nach Russland auszuwandern. Sie sind jung und sehen keine Perspektiven zu Hause.
Gruppe 2
versetzt sich in die Lage ihrer Eltern. Sie möchten nicht, dass ihre Kinder die gefährliche Reise in das unbekannte Land antreten. Sie selbst sind viel zu alt für die Reise.

  1. 1
    Erarbeitet mithilfe der Quellentexte Argumente für eure jeweilige Rolle.
  2. 2
    Diskutiert anschließend in euren Rollen die Positionen der jungen Leute und der Eltern.

Menschenleere Landstriche?

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Im Film oben haben wir behauptet, dass Katharinas Problem vor allem die Leere der frisch eroberten Landesteile an der Schwarzmeerküste und der mittleren Wolga gewesen sei. Nun sind eroberte Gebiete aber meistens gar nicht so leer, wie die Eroberer behaupten.

Das Bild von Christian Gottlob Züge wurde mithilfe von KI erstellt. Es existieren keine historischen Abbildungen. Wie hat er wohl ausgesehen?
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Aufgabe

Medien kritisch prüfen

  1. 1
    Vermute Gründe dafür, dass sich das Bild von Christian Gottlob Züge im obigen Element immer wieder ändert.
  2. 2
    Recherchiere nach einem Bild von Züge im Internet.

Hinweis:

  1. 1
    Von manchen Menschen des 18. Jahrhunderts gibt es keine Porträts, auch wenn sie Dichter, Unternehmer oder Verwaltungsmitarbeiter waren. Das trifft wahrscheinlich auch auf Christian Gottlob Züge zu.
  2. 2
    Da ein Porträt von Christian Gottlob Züge entweder nicht existiert oder nur schwer zu finden ist, haben wir mit KI drei Möglichkeiten erstellt.
    1. 2.1
      Lass diese Möglichkeiten auf dich wirken und gib deine ersten Eindrücke wieder.
    2. 2.2
      Beziehe in die Bewertung der Bilder ein, dass Züge den entbehrungsreichen und gefährlichen Weg nach Russland unternahm. Welches Bild zeigt ihn am ehesten nach seiner Ankunft im Siedlungsgebie? Begründe deine Vermutung.
    3. 2.3
      Diskutiert kurz in der Gruppe die Chancen und Gefahren, wenn die KI Bilder von Menschen frei entwirft.
    4. 2.4
      Welche Angaben müsste man der Bild-KI geben, um ein wahrscheinliches Bild von Menschen aus jener Zeit zu bekommen?
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Kamele wurden den Reitervölkern abgekauft und als Arbeitstiere verwendet.

Kosaken und Tataren

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So war das auch in diesem Fall. Im südlichen Russland (und der Ukraine) lebten im 18. Jahrhundert vor allem zwei größere Gruppen: sogenannte Tataren und Kosaken.

'Tataren' war in Russland ein Sammelbegriff für alle Nachkommen der Mongolen, die im Mittelalter große Teile des heutigen Russlands erobert hatten. Nach dem Zusammenbruch der mongolischen Reiche blieben viele tatarische Bevölkerungsgruppen auf russischem Boden zurück, in Südwestrussland vor allem das Volk der Kalmücken.

Die Kosaken waren freie Krieger und Reiter, die ab dem 15. Jahrhundert vor allem in den Steppengebieten der heutigen Ukraine und Russlands lebten. Sie bildeten eigene Gemeinschaften und waren für ihre hervorragenden Reitkünste und ihren Mut im Kampf bekannt.

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Die Kosaken waren ursprünglich häufig geflohene Leibeigene, die sich dem Zugriff ihrer Grundherren entzogen. Viele von ihnen ließen sich deshalb in den schwer kontrollierbaren Steppengebieten an den Grenzen Russlands nieder und gründeten dort eigene Gemeinschaften.

Neben Landwirtschaft und Viehzucht spielte der Kampf eine wichtige Rolle. Sie verteidigten sich gegen benachbarte nomadische Gruppen und andere Steppenvölker. Obwohl sie im 17. und 18. Jahrhundert zunehmend in den russischen Staat und seine Streitkräfte eingebunden waren, versuchten sie, ihre Unabhängigkeit gegenüber staatlichen und adeligen Herrschaften zu bewahren.

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1773 erlebte die Region an der unteren Wolga mit dem Pugatschow-Aufstand, oder dem Russischen Bauernkrieg, eine gewaltsame Kosakenrebellion, der auch einige der neu eingetroffenen wolgadeutschen Siedler zum Opfer fielen.

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ТЕЛЕВИЗОР

Ein kurzer Infofilm über die heute in Südrussland lebenden Kalmücken

Schlechte Untertanen?

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Aus Sicht der russischen Zaren waren nomadische Gruppierungen und Kosaken aber problematische Untertanen. Die nomadischen Völker legten mit ihren Viehherden große Distanzen in der Steppe zurück, schlugen ihre Jurten-Lager immer wieder an anderen Stellen auf und scherten sich dabei wenig um Staatsgrenzen und Verwaltungseinheiten.

Die Kosaken wiederum waren zwar nützliche Soldaten, sie legten aber großen Wert auf ihre Unabhängigkeit. Das Russische Reich hatte seine riesigen Landgewinne größtenteils mithilfe von Kosakenverbänden erreicht. Das Reich hatte aber auch ständig Probleme mit Kosakenaufständen, vor allem dann, wenn der Staat versuchte, die Kosaken zu friedlichen, Steuer zahlenden Untertanen zu machen.

Eigentlich brauchte Katharina die deutschen Siedler also nicht, um menschenleeres Land zu besiedeln. Sie brauchte sie, um ein Land zu einem sicheren und stabilen Teil ihres Herrschaftsgebietes zu machen, dessen einheimische Bevölkerung mit der russischen Staatsmacht nur wenig anfangen konnte und sich dieser so oft wie möglich entzog.

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Ein gewaltsamer Einschnitt in der frühen Geschichte der Wolgakolonien war der Bauernaufstand unter der Führung des Donkosaken Jemeljan Iwanowitsch Pugatschow (1742–1775). Der Aufstand vereinte eine vielfältige Masse von Unzufriedenen: leibeigene Bauern, Kosaken, Bergleute, Steppenvölker sowie verarmte Kleinbürger. Sie alle verband die Ablehnung des russischen Adels, der staatlichen Bürokratie und, im Kontext der Wolgaregion, der als Eindringlinge empfundenen deutschen Kolonisten.

Überfälle auf die deutschen Kolonien

Im Herbst 1773 brach der Aufstand in der Orenburg-Region aus und breitete sich rasch an der Wolga entlang nach Norden aus. Zwischen 1774 und 1775 erfassten die Kämpfe auch das eigentliche Siedlungsgebiet der Wolgadeutschen. Pugatschows Truppen und die mit ihnen verbündeten Kalmücken überfielen zahlreiche Kolonien, plünderten sie systematisch und brannten Häuser und Erntespeicher nieder. Besonders verheerend waren die Angriffe auf Kolonien wie Balzer, Norka und Katharinenstadt (Baronsk). Hunderte von Kolonisten wurden getötet, verwundet oder in die Gefangenschaft verschleppt. Viele flohen in umliegende Wälder oder versuchten, die Wolga zu überqueren, um sich in Sicherheit zu bringen. Der materielle Schaden war immens: Saatgut, Arbeitsvieh und Werkzeug – das Fundament der mühsam aufgebauten landwirtschaftlichen Existenz – wurden vernichtet oder geraubt.

Warum beteiligten sich die Kalmücken am Aufstand?

Kurz vor Ausbruch der Rebellion verließ im Januar 1773 ein Großteil der Kalmücken – über 100.000 Menschen – das Wolgagebiet und zog in einem dramatischen Exodus nach Zentralasien zurück. Die zurückgebliebenen kalmückischen Gruppen schlossen sich jedoch teilweise Pugatschow an und richteten ihren aufgestauten Zorn auf die deutschen Kolonisten, die auf ihren ehemaligen Weidegründen siedelten.

Lukas Epperlein, Digitale Lernwelten GmbH

Ein Zeitungsartikel von 1914

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Die Wolgagegend [wurde] von den zahlreichen Agenten Russlands den Auswanderern in Wort und Schrift als ein wahres Paradies geschildert. In der Tat war aber das untere Wolgagebiet eine Wüstenei, die nur von wilden Nomaden und lichtscheuem Gesindel bewohnt wurde. Auf der Bergseite wirtschafteten in den dicht bewaldeten Schluchten und Gräben Wegelagerer und Seeräuber, die hauptsächlich aus den Kosakengebieten als Verbrecher hierher geflüchtet waren und hier Land- und Wasserstraßen von Kasan nach Astrachan unpassierbar machten. Im Süden herrschten über die jungfräuliche Steppe die Kalmücken, die die angrenzenden Dörfer und Städte bis nach Woronesch und Tambow hinauf in Furcht hielten und von Zeit zu Zeit auch überfielen. Noch schlimmer sah es auf der Wiesenseite der Wolga aus. Dort wanderten die Kirgisen mit ihren Horden von Ort zu Ort und wehrten sich auf Tod und Leben gegen jeden Versuch der russischen Regierung, dort militärische Vorposten oder friedliche Bauernsiedlungen zu gründen. Dieses Gebiet sollten nun die Kolonisten besiedeln.

Volkszeitung vom 29. Juni 1914, zitiert nach: Viktor Krieger, Kolonisten, Sowjetdeutsche, Aussiedler, Bonn 2015, S. 27.

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ТЕЛЕВИЗОР

Ein Videoausschnitt zur Geschichte des Dorfes Mariental und den Auseinandersetzungen mit den nomadischen Nachbarn

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Aufgabe

Wissen anwenden: Schwierige Bedingungen

Formuliere einen Brief eines Siedlers, der ein Jahr nach seiner Ankunft an der Wolga in die deutsche Heimat schreibt. Beziehe dich dabei auf die Situation, die die Siedler an der Wolga vorfanden, und auf den Unterschied zwischen Vorstellung und Realität.