Vertiefung 1.5 Kleider machen Leute?

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Im Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte bekomme ich spontan die Möglichkeit, auf Zeitreise zu gehen. In der Sammlung gibt es einen großen Fundus an Originalkleidung, aus dem ich mich bedienen und in eine Russlanddeutsche verwandeln darf. Was haben die Deutschen, die vor über 250 Jahren nach Russland ausgewandert sind, wohl angehabt? Haben sie ihre eigenen regionalen Trachten mitgenommen oder eher versucht, sich unauffällig an ihre neuen Nachbarn anzupassen? Und was zieht man überhaupt an, wenn es im Winter –25 °C kalt und im Sommer 35 °C warm wird? Die verschiedenen Outfits aus unterschiedlichen Zeiten faszinieren mich. Ich entdecke neue Muster und Farbkombinationen, die Stoffe fühlen sich anders an. Aber schnell vermisse ich die Hosen, die ich sonst immer trage. Stimmt es also doch nicht, was man gemeinhin sagt: 'Kleider machen Leute' ?!

Nordrhein-Westfalen

Kernlehrplan für die Sekundarstufe I und II Gymnasium in Nordrhein-Westfalen
Sek I: KLP
Sek II: Entwurf 2025 und KLP 2013
kapitelspezifisch
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Sachsen

Lehrplan Geschichte Gymnasium, 2004, 2007, 2009, 2011, 2019 in Sachsen
Sek I/II: Lehrplan Geschichte
kapitelspezifisch
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Kleidung ist sowohl Alltagsgegenstand als auch Ausdruck der Persönlichkeit. Diesen Zusammenhang untersuchen wir in diesem Kapitel vor allem anhand von russlanddeutscher Kleidung und beziehen uns dabei auf die entwickelten Konzepte zu persönlicher und Gruppenidentität.

Übersicht Kapitelinhalte

Kleidung erfüllt einen Zweck

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Von der komplett verschleiernden Burka bis zum Bikini haben sich Menschen die unterschiedlichsten Bekleidungsstücke ausgedacht. Grundlegend waren dafür natürlich die verschiedenen Materialien, die ihnen zur Verfügung standen, und das jeweilige Klima, in dem sie getragen wurde. Schließlich schützt Kleidung vor Kälte und dem Erfrieren ebenso wie vor Hitze und einem Sonnenbrand.

Außerdem kann das Getragene auch sehr nützlich sein, zum Beispiel eine Schürze mit vielen großen Taschen, dicke Stiefel mit einem hohen Schaft oder eine auffällige Jacke, damit man im Dunkeln gut gesehen werden kann.

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Was bedeutet Kleidung? Eine Sammlung

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Rudolf von Jhering (1818–1892) über die einfache Alltagskleidung

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AufgabeGruppenversuch
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    Eine bis drei Personen verlassen kurzzeitig den Raum.
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    In der übrigen Gruppe tauschen alle ein paar Kleidungsstücke miteinander. Motto: Nicht zu offensichtlich.
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    Die Personen von draußen werden einzeln hereingerufen. Sie sollen nun schildern, welche 'Unstimmigkeiten' an den Gruppenmitgliedern ihnen auffallen.
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    Diskutiert in einem abschließenden Gruppengespräch folgende Frage: Steckt hinter Kleidung vielleicht mehr, als man denkt?

Leute machen Kleider – machen Kleider Leute?

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Die extremen Gegenbeispiele Burka und Bikini deuten es bereits an: Was man anzieht, sagt auch etwas über die eigene Identität aus. Kleidung ist wie eine Sammlung von Zeichen. Sie ist wie eine Sprache aus Bildern, die man am eigenen Körper trägt. Welche Fußballmannschaft ich unterstütze oder welche Musikgruppe ich gerne höre, kann ich durch ein Trikot oder T-Shirt zeigen. Aber auch Religion, Herkunft, Familienstand oder sozialer Status lassen sich über die Kleidung mitteilen.

Kleidung kann Identität verkörpern und, wie im Falle vieler Russlanddeutscher, ein Stück Erinnerung an die verlorene Heimat sein. Etwas, das man nicht bereit ist aufzugeben. Außerdem ist jeder Mensch die herkömmliche Kleidung seiner Umgebung gewöhnt. Sie fühlt sich vertraut an. Neue oder fremde Mode verändert auch ihren Träger. Man muss diese neuen Zeichen daher regelrecht entschlüsseln, und dazu braucht man Spezialwissen: Zum Beispiel können Mitteleuropäer nur anhand der Kleidung meistens keine sicheren Aussagen über den sozialen Stand von Personen in Lateinamerika oder Zentralasien treffen, wenn diese traditionelle Kleidung tragen.

Kleidung spricht

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Die Haute Couture: Mode als Kunstform und Luxusware.

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AufgabeWas zieh' ich an? Und warum?
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    Untersuche die Galerie 'Kleidung spricht'. Notiere anhand der Bilder mindestens zehn unterschiedliche Funktionen von Kleidung.
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    Vergleiche die gefundenen Funktionen von Kleidung miteinander in einer Partnerarbeit.
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    Finde übergeordnete Gruppen für diese Funktionen.

Was trugen die Russlanddeutschen?

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Die Kleidung der nach Russland ausgewanderten Deutschen unterschied sich zunächst nicht besonders von der ihrer Landsleute in Deutschland. Üblich war der Besitz von Alltagskleidung und Sonntagskleidung, die für besondere Anlässe reserviert war. Viele Auswanderer waren Protestanten. Obwohl die wirtschaftlichen Gründe für die Auswanderung überwogen, gab es auch Gruppen, wie etwa die Mennoniten, die aufgrund von religiösen Verfolgungen ihre alte Heimat verließen.
Die protestantischen Kirchen hatten traditionell Gefallen an Schlichtheit und Einfachheit. Prunk und (Kirchen-)Schmuck hatten sie an der katholischen Kirche stets als unchristliche Verschwendung kritisiert. Diese protestantische Sichtweise vom christlichen Glauben schlug sich daher in der Kleidung vieler protestantischer Russlanddeutscher nieder: Auch sie hatte schmucklos und einfach zu sein.

Kleidung im Verlauf der Zeit und unter bestimmten Lebensumständen

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Mennonitisches Paar aus dem Wolgagebiet (1854). Er trägt die Kleidung eines Mannes zu dieser Zeit, sie eine Haube, die ihr Haar verbirgt.

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AufgabeAnziehend? – Fragen zur Mode
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    Beschreibe die Auswahl der Kleidung der Russlanddeutschen.
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    Würdest du die Kleidung selbst tragen und zu welchem Anlass? Begründe deine Antwort.
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    Vergleiche die heutige Kleidung mit den historischen Kleidungsstücken der Russlanddeutschen. Nenne Unterschiede und Gemeinsamkeiten.

Mode geht nicht immer mit der Zeit

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Weil es die politische Situation in der Sowjetunion nicht zuließ, bildeten sich kaum Subgruppen und Gegenkulturen, die sich vom Mainstream auch über Kleidung absetzen konnten, wie in der Bundesrepublik beispielsweise die Popper, Hippies oder Punker. Außerdem standen den Menschen nur begrenzt Materialien zur Verfügung. Mode blieb also vor allem praktisch und auch weitestgehend einheitlich. Deshalb nähten viele Frauen die Kleidung für die gesamte Familie selbst.

Viele Russlanddeutsche nahmen ihre gesamte Kleidung mit, als sie nach Deutschland aussiedelten, und hüteten sie lange wie Schätze. Schließlich wurden die einzelnen Kleidungsstücke zu Erinnerungen an eine prägende Zeit, ein vergangenes Leben, das sich so nie wieder zurückbringen ließ. In Deutschland allerdings fielen die Spätaussiedler durch ihre andersartigen Kleidungsgewohnheiten auf und unterschieden sich von den Einheimischen.

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Trachten bezeichnen traditionelle Kleidungsstücke einer bestimmten Volksgruppe, Region oder eines sozialen Standes. Auch einzelne Berufsgruppen können eine typische Kleiderordnung haben, wie die Zunfttracht der walzenden Handwerker (siehe die Bildergalerie „Kleidung spricht“).

Trachten werden oft mit Rückständigkeit und Bauerntum in Verbindung gebracht. Auch wenn diese Einstellung nicht richtig ist, sind Trachten weltweit auf dem Rückzug. Die Ursache dafür ist sicher auch, dass heute oftmals pflegeleichtere und preiswerte Materialien für die Bekleidung zur Verfügung stehen. Als gegenläufiger Trend lässt sich jedoch die Entwicklung einer beobachten: In Deutschland tragen junge Leute zu besonderen Gelegenheiten zum Beispiel wieder Dirndl und Lederhosen. Historische Genauigkeit ist dabei nachrangig, zumal Mode sich immer im Wandel befindet. Die Orientierungsfunktion bestimmter Kleidungsstücke steht bei den heutigen Trägern offenbar im Vordergrund: Durch Tracht drückt der Träger seine Herkunft und Identität in einer sich ständig wandelnden Welt aus.

Johanna Horst, Digitale Lernwelten GmbH

Welches Kleid passt zu welchem Anlass? Arbeitskleidung, Festkleidung ... Was meinst du?

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AufgabeStreitgespräch

Teilt euch in zwei Gruppen auf und bestimmt einen oder zwei Moderatoren.

Jede Gruppe bekommt eine der folgenden Positionen zugeteilt und Zeit, um Argumente zu sammeln

  • Schüler und Schülerinnen sollten sich kleiden können, wie sie wollen. Ob besonders freizügig oder besonders fromm: Religionsfreiheit und Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit machen es möglich.
  • Schüler und Schülerinnen sollten sich an Regeln halten: bauchfreie Oberteile lenken ab, Kopftücher verhindern die Integration und extreme oder fremde Kleidungsstile sorgen nur für Gruppenbildung.

Diskutiert nun miteinander. Die Moderatoren halten die wichtigsten Punkte für alle sichtbar fest.