6.4 Deutsche in der Ukraine

Dorfstraße in Hannowka im Westen der Ukraine – russlanddeutsche Siedler haben Hannowka Ende des 19. Jahrhunderts gegründet.

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Der Krieg in der Ukraine prägt unsere Wahrnehmung des Landes – eines sehr vielgestaltigen Landes, in dem es nicht nur wunderbare Landschaften gibt, sondern auch unterschiedliche Kulturen und Volksgruppen. Zu ihnen zählen auch die Deutschen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 kehrten auch manche in der Kriegszeit deportierte Deutsche in ihre ursprünglichen Siedlungsgebiete zurück. Schwarzmeer-, Wolhynien-, Krim-, Galizien-, Bessarabien-, Transkarpatiendeutsche? Viele Angehörige dieser deutschen Volksgruppen gibt es nicht mehr in der Ukraine. Haben sie dort eine Zukunft?

Nordrhein-Westfalen

Kernlehrplan für die Sekundarstufe I und II Gymnasium in Nordrhein-Westfalen
Sek I: KLP
Sek II: Entwurf 2025 und KLP 2013
kapitelspezifisch
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  • Sek. I: Inhaltsfeld 9
    Internationale Verflechtungen seit 1945
    (Weitere thematische Bezüge in anderen Kapiteln:
    Untergang der Sowjetunion und die Folgen, Deutsche in den Nachfolgestaaten der UdSSR: 6.1, 6.2, 6.3, 6.4)

Sachsen

Lehrplan Geschichte Gymnasium, 2004, 2007, 2009, 2011, 2019 in Sachsen
Sek I/II: Lehrplan Geschichte
kapitelspezifisch

  • Klasse 10, Lernbereich 3
    Politische Wandlungsprozesse in Europa
    (Weitere thematische Bezüge in anderen Kapiteln:
    Zerfall der Sowjetunion und die Folgen: 6.1, 6.2, 6.3, 6.4)

In diesem Kapitel widmen wir uns den Russlanddeutschen in der Ukraine.

Übersicht Kapitelinhalte

Das Ende der Sowjetunion und die Deutschen in der Ukraine

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Wie ein Phönix aus der Asche?

Nach der ukrainischen Unabhängigkeit 1991 begann für die deutsche Minderheit ein Neuanfang – symbolisiert durch das Emblem des Rates der Deutschen: einen , der für die Wiederbelebung eines selbstbestimmten kulturellen und sozialen Lebens der Deutschen in der Ukraine stand. Wie für andere Minderheiten auch entstand für die deutsche Minderheit eine neue rechtliche Situation. Das ukrainische Gesetz über nationale Minderheiten von 1992 erkannte das Recht auf Sprache, Kultur und Selbstverwaltung an. Erstmals seit 1941 war es wieder möglich, öffentlich als Deutscher in der Ukraine zu leben.
Die Bundesrepublik Deutschland unterstützte die Bemühungen der deutschen Minderheit in der Ukraine um die Wiedererrichtung eigener Einrichtungen und Vereine aktiv. Im Jahr 1996 schlossen Deutschland und die Ukraine ein bilaterales Abkommen zum Schutz der deutschen Minderheit. Es entstanden Begegnungsstätten, Sprachkurse wurden angeboten, Kulturvereine und Jugendorganisationen gegründet. Der „Rat der Deutschen der Ukraine“ wurde zur zentralen Interessenvertretung mit über 140 registrierten Organisationen im ganzen Land.

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Wer mehr über die Aktivitäten der Deutschen in der Ukraine nach dem Ende der Sowjetunion erfahren will, kann hier eine ausführliche Darstellung lesen. Sie wurde vom Rat der Deutschen in der Ukraine erarbeitet.

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Institutionelle Strukturen

Im Jahr 1996 wurde die „Deutsch-Ukrainische Regierungskommission für die Angelegenheiten der in der Ukraine lebenden Personen deutscher Abstammung“ gegründet. Im selben Jahr fand der erste Kongress der Deutschen der Ukraine statt, der den Rat der Deutschen als Dachverband gründete.

Brückenfunktion

Die wichtigste Aufgabe aller gesellschaftlichen Organisationen der Deutschen der Ukraine ist es, eine Brücke zwischen der ukrainischen und der deutschen Bevölkerung und ihren jahrhundertealten Kulturen zu bilden. Der Rat spielt eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung des zuständigen Ausschusses der Werchowna Rada bei der Reform der Gesetzgebung zum Schutz der Rechte nationaler Minderheiten.

Kulturelle und soziale Arbeit

Durch die Unterstützung der deutschen Bundesregierung wurden in mehr als 60 ukrainischen Städten und Dörfern Begegnungszentren eingerichtet, in denen deutsche Sprache und Geschichte unterrichtet werden. Eine wichtige Rolle für die Erhaltung der oft nur noch schwach ausgeprägten kulturellen Identität spielt auch die evangelisch-lutherische Kirche. Die Deutschen in der Ukraine verstehen sich heute als Teil der ukrainischen Gesellschaft und als Vermittler zwischen beiden Ländern – in Kultur, Wirtschaft und Jugendaustausch.

Marcus Ventzke, Digitale Lernwelten GmbH

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Schon Ende der 1980er Jahre begannen die Deutschen in der Sowjetunion, sich selbst neu zu organisieren und einen Wiederaufbau ihres Lebens und viele weitere drängende Fragen zu diskutieren – von der Rehabilitation über die Rückkehr in ehemalige Siedlungsgebiete bis zur Anknüpfung neuer Beziehungen mit Deutschland.
Die Geschichte der ersten Zusammenkunft von Vertretern der Deutschen beim „1. Außerordentlichen Kongress der Deutschen in der UdSSR“ im März 1991 wird in einem Bericht der „rd-zeitung.eu“ vom 14.2.2018 dargestellt.

Marcus Ventzke, Digitale Lernwelten GmbH

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AufgabeRecherchieren

Arbeite die Inhalte des Abschnitts 'Das Ende der Sowjetunion und die Deutschen in der Ukraine' durch und stelle die Bemühungen zur Wiederbelebung der (wolga-)deutschen Kultur nach dem Ende der Sowjetunion stichwortartig vor.

Karte mit Siedlungen in den Regionen Odessa, Mykolajiw und Cherson: Schau einige der Orte doch mal genauer an.

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Virtuelles Museum der Schwarzmeerdeutschen (https://schwarzmeerdeutsche.in...)

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ТЕЛЕВИЗОР
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Das Verbot der Rückkehr der Deutschen in die Ukraine wurde erst am 3. November 1972 aufgehoben. Auch später gelang den Deutschen die Rückkehr in ihre angestammten Siedlungsgebiete nur vereinzelt. Erst seit der Unabhängigkeit der Ukraine im Jahr 1991 gibt es in der Ukraine wieder eine größere deutsche Minderheit. Insgesamt kehrten bis zu 40.000 Deutsche aus Zentralasien in die Ukraine zurück – weniger als 5 Prozent der Vorkriegsbevölkerung. Der Großteil der Deutschen lebt in den Gebieten Donezk, Dnipro, Transkarpatien, Odessa und auf der Krim.

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Am 2020 brachte die Ukrposhta die Briefmarken 'Deutsche' in der Serie 'Nationale Minderheiten in der Ukraine' heraus. Sie sind der Geschichte und Kultur der deutschen Minderheit in der Ukraine gewidmet. Die erste Briefmarke zeigt Weihnachten. Deutsche Kolonisten brachten den Brauch des geschmückten Weihnachtsbaums in die Ukraine, wo er zur festen Tradition wurde. Auf der Briefmarke singen Kinder vor einem Christbaum und werden von einer Orgel das Lied 'Stille Nacht' begleitet. Der Musiker auf der Briefmarke erinnert an den wolhyniendeutschen Musiker und Komponisten Teofil Richter. (ART – Online Ausstellung der deutschen Minderheit in der Ukraine).

Krieg gegen die Ukraine – auch ein Krieg gegen die Deutschen in der Ukraine

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Putins Krieg gegen die Ukraine ist auch ein Krieg gegen die Kultur. Ehemalige deutsche Siedlungen an der Schwarzmeerküste sind vom Krieg bedroht. Die systematische Zerstörung von Städten wie Cherson und Mariupol bedroht und zerstört Kultur und Geschichte – auch deutsche Kultur und Geschichte.

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„Wir sehen uns ganz klar als Europäer. Es gibt positive Sachen von beiden Nationen und man kann das Beste von beiden Seiten nutzen. Für uns gibt es keinen Konflikt zwischen den Identitäten. Man kann aber sagen, wenn wir einen Konflikt wie zum Beispiel im Osten der Ukraine haben, dann sagen alle 'Wir sind ukrainische Bürger und helfen.' [...] Viele Deutsche, die in der Ostukraine leben, sagten: 'Wir suchen für unsere Kinder bessere Möglichkeiten.' Darum haben wir viele Binnenflüchtlinge, die jetzt in Kiew, Odessa oder Lemberg leben. Es gibt Menschen, die gut Deutsch sprechen und jetzt als ukrainische Bürger in Deutschland arbeiten oder als Spätaussiedler dort leben. Aber wenn Menschen eine gute Perspektive für sich hier sehen, dann bleiben sie auch. Die deutsche Minderheit hat eine positive Zukunft in der Ukraine.“

Hinweis zu Volodymyr Leysle:
Volodymyr Leysle ist der Vorsitzende des Rates der Deutschen der Ukraine und lebt in Kyjiw. Seine Eltern stammen aus Ostkasachstan, wohin Verwandte in den 1930er und 1940er Jahren deportiert worden waren. Geboren wurde er in Riga, aufgewachsen ist er in Kasachstan. Dort entdeckte er während des Studiums die deutsche Gemeinschaft. Nach dem Umzug auf die Krim gründete er den Deutschen Jugendverband der Krim, leitete ab 2001 den Gesamtukrainischen Jugendverband und wurde 2009 Vorsitzender des Rates der Deutschen der Ukraine – eines Dachverbands für über 140 Organisationen.

Dr. Alfred Eisfeld und Volodymyr Leysle: „Mir san von Odes‘!“ – über Deutsche und ihr Kulturerbe in der Ukraine, Interview mit Edwin Warkentin und Alfred Eisfeld (https://www.russlanddeutsche.de/).

Volodymyr Leysle, Vorsitzender des Rates der Deutschen der Ukraine

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AufgabeAktiv werden

Lies die Quelle 'Volodymyr Leysle [...] über die Zukunft der Deutschen in der Ukraine im Krieg und danach' und nimm zur Aussage Stellung, dass die Deutschen 'eine positive Zukunft in der Ukraine' haben können.
Stelle gegenüber, was dafür und was dagegen spricht.