Vertiefung 1.2 Haben auch Gruppen eine Identität?

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Im letzten Kapitel ging es um persönliche Identität und die Frage: „Wer bin ich?“ Es gibt aber auch Identitäten, die von mehreren Menschen geteilt werden, die also aus der Frage 'Wer sind wir?' erwachsen. Unterscheiden sich diese Gruppenidentitäten von persönlicher Identität? Ich denke schon. Meiner Meinung nach sind Gruppenidentitäten viel starrer und lassen sich viel schwerer verändern und beeinflussen. Sie können ihre Träger also regelrecht gefangen halten. Was meine ich damit?

Nordrhein-Westfalen

Kernlehrplan für die Sekundarstufe I und II Gymnasium in Nordrhein-Westfalen
Sek I: KLP
Sek II: Entwurf 2025 und KLP 2013
kapitelspezifisch
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Sachsen

Lehrplan Geschichte Gymnasium, 2004, 2007, 2009, 2011, 2019 in Sachsen
Sek I/II: Lehrplan Geschichte
kapitelspezifisch
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In diesem Kapitel geht es um die Frage, wie es mehrere Menschen schaffen, gemeinsam eine Gruppenidentität zu empfinden. Wir sehen uns die Merkmale von Gruppenidentitäten und prüfen, ob sich diese ähnlich oder grundlegend anders verhalten als persönliche Identitäten.

Übersicht Kapitelinhalte

Was meine ich mit Gruppenidentität?

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Gruppenidentitäten können sich auf ganz unterschiedliche Gruppen beziehen, z. B.:

  • Nationalitäten (Deutscher, Türke, Russe)
  • Kulturen (deutsch, türkisch, russisch)
  • Religionsgemeinschaften (Katholik, Muslim, Jude)
  • Subkulturen (Punk, Skater, Hipster)
  • politische Gruppen (Sozialist, Konservativer, Liberaler)
  • gesellschaftliche Schichten (Arbeiter, Bildungsbürger, 'Prekariat')

Alle diese Gruppen haben gemeinsam, dass man den Eindruck hat, etwas über ihre Mitglieder zu wissen. Manchmal gibt es aber einen großen Unterschied zwischen dem, was die Leute in einer dieser Gruppen über sich sagen, und dem, was Außenstehende über sie sagen. Die Aussagen „So seid ihr.“ und „So sind wir.“ meinen nicht das Gleiche. Beide Aussagen haben jedoch etwas mit der Identität einer Gruppe zu tun.

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AufgabeGruppenspiel

Bildet Kleingruppen mit jeweils vier bis sechs Teilnehmern.

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    Jedes Gruppenmitglied sammelt 3–5 Gruppenidentitäten, mit denen es sich selbst identifizieren kann. Schreibt diese einzeln auf 3–5 Zettel.
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    Faltet eure Zettel und sammelt sie.
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    Jemand zieht den ersten Zettel, liest ihn laut vor.
    Dann rät er, zu wem die genannte Gruppenidentität passen könnte.
    Hinweis: Wenn er einen eigenen Zettel zieht, gibt er ihn ungelesen zurück in die Sammlung.
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    Jeder bekommt einen Punkt, wenn er richtig argumentiert hat.
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    Das Spiel geht im Uhrzeigersinn weiter, bis alle Zettel gezogen und besprochen sind.
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    Gewonnen hat der Teilnehmer mit den meisten Punkten.

Identitätszuschreibungen von außen: So seid ihr.

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Gruppenidentitäten werden oft von Menschen mitgeprägt und aufrechterhalten, die der entsprechenden Gruppe gar nicht angehören. Das sind nicht selten Minderheiten. Solche Prägungen funktionieren dann vor allem über Vereinfachungen und Verallgemeinerungen: Man nimmt also gewisse Merkmale, die bei einigen Mitgliedern der Gruppe zu beobachten sind, und behauptet, dass alle Gruppenmitglieder diese Merkmale haben.

Diese Zuschreibungen sind oft auch eher negativ. Die Mehrheit kann sich nämlich dadurch positiv von der Gruppe abgrenzen. (Siehe dazu auch das letzte Kapitel.) Auch bei Gruppenidentitäten gilt: Wenn ich sage: „Ihr seid rückständig“, bedeutet das auch: „Wir sind fortschrittlich.“

Außensicht auf die US-Amerikaner

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'So sind US-Amerikaner.' Diese Galerie zeigt eine kleine Zusammenstellung von Annahmen über die Einwohner der USA. Solche Annahmen finden sich u. a. oft bei Deutschen oder anderen Europäern.
Beachte bitte, dass wir uns hier wieder im Bereich der Stereotype bewegen. Die Bildunterschriften in dieser Galerie beschreiben also nicht die 'Wahrheit', sondern einen bestimmten, eingeschränkten Blick auf die USA.

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Aufgabe

Arbeite die Bildergalerie „Außensicht auf die US-Amerikaner“ durch. Ermittle mit einer Bilduntersuchung, inwiefern Bilder Stereotype befördern können.
Nutze dazu auch die Erkenntnisse aus dem Kapitel Vertiefung 1.1.

Wie du bei einer Bilduntersuchung vorgehst, erfährst du im Kapitel Methode: Bilder.

Identitätszuschreibungen von innen: So sind wir.

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Natürlich wird Gruppenidentität auch von den Mitgliedern einer Gruppe geschaffen und geprägt. In jeder Gruppe haben die Gruppenmitglieder eine gemeinsame Vorstellung davon, was sie ausmacht. Die Dinge, die eine Gruppe auszeichnet, sind Überzeugungen und Verhaltensweisen: Das bedeutet, die Gruppe bestimmt, was sie glaubt und was sie tut.

Wie bei Zuschreibungen von außen handelt es sich hierbei meistens auch um Verallgemeinerungen. Was das heißt? Nur selten wird ein bestimmtes Gruppenmitglied alle Merkmale der Gruppe erfüllen. Beispiele: Nicht jeder Christ geht jeden Sonntag in die Kirche, und nicht jeder Hip-Hopper trägt eine Basecap. Aber die Gruppenmitglieder sind sich normalerweise schon darüber einig, dass bestimmte Merkmale zur Identität der Gruppe gehören.

Innensicht verschiedener Gruppen

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Symbole und Zeichen sind ein häufig gewähltes Mittel, um die eigene Zugehörigkeit zu einer Gruppe zu zeigen. Zugleich wird damit etwas über die Identität dieser Gruppe ausgesagt. Hier siehst du eine Fahne mit dem inoffiziellen Logo des Hamburger Fußballvereins FC St. Pauli.

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Hier findest du eine Informationsbroschüre über das Leben in Deutschland. Sie richtet sich vor allem an Geflüchtete, die sich noch nicht lange im Land aufhalten. Für diese Menschen wurden Informationen über das Alltagsleben und die Sitten und Gebräuche in Deutschland zusammengestellt.

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AufgabeGruppenarbeit

Bildet erneut Kleingruppen mit vier bis sechs Personen. Sucht euch jeweils eines der Kapitel aus der Infobroschüre in der Darstellung aus.

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    Erstellt gemeinsam eine Liste der dort genannten typischen Verhaltensweisen von Deutschen.
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    Nun überlegt jedes Gruppenmitglied für sich allein:
    Wer in deiner Gruppe würde den einzelnen Punkten zustimmen?
    Welche Punkte sind dir selbst wichtig?
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    Tauscht euch über die Antworten aus.
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    Diskutiert die Bedeutung eurer Ergebnisse für eine mögliche deutsche Gruppenidentität.