6.1 Deutsche in Kasachstan
Denkmal für die Opfer politischer Repressionen in der Zeit der Sowjetunion: АЛЖИР (Alschir) war die Bezeichnung für das 'Akmolinsker Lager für Frauen der Verräter der Nation'. Unter den in diesem Lager inhaftierten Opfern waren auch viele deutsche Frauen und Kinder.
Wer die Geschichte der Russlanddeutschen verstehen will, kommt an Kasachstan nicht vorbei. In keine andere Region der Sowjetunion sind nach dem Zweiten Weltkrieg so viele Deutsche in so kurzer Zeit gekommen. Sie kamen nicht freiwillig, sondern weil Stalin es 1941 so befahl. Auf den weiten Steppen zwischen Ural und Altai entstand in wenigen Jahren das größte Siedlungsgebiet der Russlanddeutschen außerhalb Deutschlands. In den 1980er Jahren lebten hier fast eine Million Menschen deutscher Herkunft.
Heute sind die meisten von ihnen nicht mehr in Kasachstan. Was bleibt, ist die Geschichte dieser Menschen zwischen Deportation, Überleben, Aufbau und schließlich erneutem Aufbruch.
Nordrhein-Westfalen
Kernlehrplan für die Sekundarstufe I und II Gymnasium in Nordrhein-Westfalen
Sek I: KLP
Sek II: Entwurf 2025 und KLP 2013
kapitelspezifisch:
Sachsen
Lehrplan Geschichte Gymnasium, 2004, 2007, 2009, 2011, 2019 in Sachsen
Sek I/II: Lehrplan Geschichte
kapitelspezifisch:
- Klasse 10, Lernbereich 3
Politische Wandlungsprozesse in Europa
(Weitere thematische Bezüge in anderen Kapiteln:
Zerfall der Sowjetunion und die Folgen: 6.1, 6.2, 6.3, 6.4)
In diesem Kapitel widmen wir uns den Russlanddeutschen in Kasachstan.
Übersicht Kapitelinhalte
Wer waren die Russlanddeutschen in Kasachstan?
Die Deutschen kamen nicht alle gleichzeitig nach Kasachstan. Man unterscheidet grob zwei Gruppen:
Die frühen Siedler (ab Ende des 19. Jahrhunderts)
Einige deutsche Mennoniten und lutherische Bauernfamilien gingen bereits ab den 1880er Jahren freiwillig nach Zentralasiens. Sie waren auf der Suche nach religiöser Freiheit, nach Siedlungsland und einer größtmöglichen Unabhängigkeit von staatlichen Zwängen. Sie gründeten Dörfer, machten Land urbar und bauten eigene Gemeinschaften auf. Diese waren stark von Glauben und Herkunft geprägt.
Die Deportierten (ab 1941)

Regierung der Sowjetunion (Oberster Sowjet) 1941 · PD
Die weitaus größere Gruppe von Deutschen kam unfreiwillig. Nach dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion 1941 wurden Hunderttausende Russlanddeutsche aus der Wolga-Region, der Ukraine und dem Kaukasus nach Kasachstan deportiert. Es war eine Situation voller Leid. Die Menschen verloren ihre Häuser, ihren Besitz, ihre Tiere und Felder, viele auch das Leben. Insgesamt kamen etwa 440.000 Russlanddeutsche nach Kasachstan. Sie trafen dort auf eine Situation, in der niemand auf sie gewartet hatte. Neue Unterkünfte und die notdürftigsten Dinge zum Leben mussten sie unter großen Mühen und mitten im Zweiten Weltkrieg neu aufbauen und beschaffen. Oftmals wurden sie einfach in der Steppe im Schnee ausgeladen und bei der einheimischen Bevölkerung notdürftig untergebracht. Viele kamen kurz nach der Deportation auch in Lager und mussten Zwangsarbeit leisten. Viele hielten diesen harten Überlebenskämpfe nicht stand.
Der Erlass:
Am 28. August 1941 erließ der sowjetische Diktator Josef Stalin das Dekret zur Deportation der Wolgadeutschen. Der Vorwurf war absurd und kollektiv: Alle Sowjetbürger deutscher Herkunft galten pauschal als potenzielle Spione und Kollaborateure der Deutschen, die das Land überfallen hatten. Damit begann eine jahrzehntelang andauernde verschärfte Unterdrückung, Verfolgung und Diskriminierung der Russlanddeutschen in der Sowjetunion. Der sowjetische Geheimdienst NKWD zählte bis Weihnachten 1941 insgesamt 894.626 deutsche Deportierte. Etwa 150.000 von ihnen überlebten die Zwangsumsiedlung nicht oder wurden hingerichtet. Hunger, Krankheiten, die Ausbeutung durch Zwangsarbeit oder willkürliche Todesstrafen forderten viele Opfer.
Kein angeblicher Fall der Kollaboration wurde einzeln geprüft oder in Gerichtsverfahren bewiesen. Viele Deportierte wurden nach Kasachstan und Sibirien gebracht. Die Autonome Republik der Wolgadeutschen, ein Gebiet, das die Deutschen seit dem 18. Jahrhundert besiedelt hatten, wurde aufgelöst.
Der Transport:
Die Deportierten wurden in Viehwaggons verladen. Die Reise dauerte oft drei bis vier Wochen. Es gab kaum Nahrung, kein sauberes Wasser, keine sanitären Einrichtungen. Besonders Kinder und alte Menschen überlebten die Fahrt häufig nicht. Wer ankam, fand in den kasachischen Steppen weder Unterkünfte noch ausreichende Verpflegung vor.
Markus Ventzke, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

Quellenhinweis: Es gibt nur wenige Aufnahmen der Massendeportationen. Manche, die es erlebten, haben danach Bilder des Erlebten gemalt. Dieses Bild ist eine KI-generierte Abbildung. Sie visualisiert die Beschreibungen von Zeitzeugen.
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Nach der Ankunft unterstanden die Deportierten dem sogenannten Sonderansiedlungsregime. Das bedeutete für sie ein System der kontrollierten Unfreiheit:
- Das Verlassen des zugewiesenen Ortes war verboten. Oft durften die Menschen sich ohne Genehmigung gar nicht in der Umgebung bewegen.
- Es gab regelmäßige (meist wöchentliche) Meldepflichten bei der Kommandantur.
- Berufsverbote wurden ausgesprochen: Der Aufstieg in Führungspositionen und viele akademische Berufe waren damit oft ausgeschlossen.
- Ein Schulbesuch außerhalb des Wohnorts war kaum möglich.
- Kontakt zu Deutschen im Ausland war streng verboten. Das galt auch für Verwandte.
Dieses Regime bestand formell bis zum Jahr 1956. Eine Rehabilitation erfolgte 1964, allerdings keineswegs vollständig: Es gab keine Rückgabe der Heimatgebiete, des Besitzes oder eine Entschädigung der Betroffenen. Auch die Wolgarepublik wurde nicht wiederhergestellt.
Marcus Ventzke, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Parallel zur Sonderansiedlung wurden Hunderttausende Russlanddeutsche in die sogenannte „Trud-Armee“ (Arbeitsarmee; russ. „Труд“ = Arbeit) eingezogen. Dabei handelte es sich nicht um Militärdienst, sondern um Zwangsarbeit unter militärischer Aufsicht.
Männer im Alter zwischen 15 und 55 Jahren wurden in Bergwerke, Rüstungsfabriken, Wälder und auf Baustellen geschickt: in den Ural, nach Sibirien, in den kasachischen Norden. Später mussten auch Frauen Zwangsarbeit leisten.
Die Bedingungen waren oftmals katastrophal: Die Menschen mussten bei schlechter Ernährung, extremer Kälte, fehlender Schutzkleidung und willkürlichen Bestrafungen versuchen zu überleben. Historiker schätzen, dass zwischen 20 und 30 Prozent der Trud-Armisten die Kriegsjahre nicht überlebten. Frauen, Kinder und alte Menschen blieben in den Siedlungen zurück. Allein, ohne Versorger, in einer fremden Umgebung.
Marcus Ventzke, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

Quellenhinweis: Es gibt nur wenige Aufnahmen von der schweren Arbeit, die Deportierte leisten mussten, und in Lagern durfte man nicht fotografieren. Manche, die es erlebten, haben danach Bilder des Erlebten gemalt. Dieses Bild ist eine KI-generierte Abbildung. Sie visualisiert die Beschreibungen von Zeitzeugen.
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Die Deportation traf Menschen, die zum Teil seit Generationen in Russland lebten und sich als sowjetische Staatsbürger verstanden.
- 1Recherchiere zu den Umständen, unter denen die Deportation der Deutschen nach Kasachstan stattfand.
- 2Nimm Stellung dazu, dass die Deutschen in der Sowjetunion in dieser Form gewaltsam verschleppt wurden.
Beziehe dabei folgende Frage ein: Kann dieses Vorgehen durch den Überfall der deutschen Wehrmacht und die Verbrechen, die sie verübte, gerechtfertigt werden? - 3Bewerte, dass ein Staat seine eigenen Bürger allein aufgrund ihrer Herkunft kollektiv bestraft.
Aufbau und Alltag in der kasachischen Steppe
Wie sie überlebten
Trotz allem bauten die Russlanddeutschen in Kasachstan eine neue Existenz auf. Sie errichteten Häuser, bestellten Felder, gründeten Schulen. Die Kolchosen, zu denen sie zwangsverpflichtet wurden, funktionierten unter anderem deshalb, weil die deutschen Siedler als besonders organisiert und fleißig galten. Das war ein Ruf, der ihnen half. Der nicht selten aber auch mit Neid und Misstrauen beantwortet wurde.
Sprache und Glaube im Verborgenen
Für die Deutschen blieb Deutsch die Sprache des Zuhauses. Besonders die mennonitischen Gemeinden hielten ihren Glauben aufrecht, obwohl Gottesdienste verboten waren. Man traf sich in Privathäusern, sang und betete im Verborgenen. Diese geheimen Gemeinden waren mehr als religiöse Versammlungen. Sie waren Orte des kollektiven Gedächtnisses und der Identitätswahrung.
Deutsche Dörfer in der Steppe

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Im Laufe der Jahrzehnte entstanden in Nordkasachstan Regionen mit einer stärker deutschstämmigen Bevölkerung - vor allem in den Gebieten um Karaganda, Akmolinsk (heute Astana) und Pawlodar. Diese Dörfer hatten oft deutsche Namen oder behielten sie zumindest inoffiziell. Oftmals wurden sie jedoch absichtlich mit anderen nichtdeutschen Dörfern durchmischt. Daher waren auch eigene Kolchosen der Deutschen selten. Eigene Kirchen blieben bis 1980 untersagt, jedoch gab es von den 1950er bis in die 1970er Jahren Bethäuser von Baptisten, die sich nicht als abgegrenzte Glaubensgemeinschaft definieren. Aber selbst diese Art von Religiosität war nur halblegal. Schulen und das gesellschaftliche Leben in diesen Siedlungen waren, trotz aller Einschränkungen, erkennbar von der deutschen Herkunft geprägt.
In der gesamten Sowjetunion gab es seit der Zeit des Überfalls der Wehrmacht und der nachfolgenden Deportationen keine deutschen Schulen. Der Unterricht in deutscher Muttersprache war ab 1958 möglich, wenn in einer Klasse mehr als 50 % deutsche Kinder lernten.
Katharina Neufeld, Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte Detmold
Der Aufbruch: Ausreise nach Deutschland

© Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte Detmold · Alle Rechte vorbehalten
Mit Gorbatschows Reformen ab Mitte der 1980er Jahre wurde die Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland erstmals realistisch. Die Gründe waren vielfältig:
- wirtschaftlicher Zusammenbruch nach dem Ende der Sowjetunion 1991
- Nationalisierungspolitik in Kasachstan: z. B. wurde Kasachisch Staatssprache
- Familiennachzug: Wer bereits Verwandte in Deutschland hatte, dem fiel die Ausreise leichter
- Recht auf Spätaussiedlung: Recht von Menschen mit nachweisbarer deutscher Herkunft, nach Deutschland zu reisen und die deutsche Staatsbürgerschaft zu bekommen.
- Erinnerung an eine Herkunft, Kultur und Sprache, die man nie aufgegeben hatte
Russlanddeutsche in Kasachstan heute
Eine schrumpfende Minderheit: Institutionen und Kulturarbeit

Urheber: I. Ongarbai · https://de.wikipedia.org/wiki/Herold_Belger#/media/Datei:2024_Herold_Belger_Kazakh_stamp_(1461).jpg · PD
Heute leben noch schätzungsweise 200.000 bis 300.000 Menschen deutscher Herkunft in Kasachstan – ein Bruchteil der einstigen Gemeinschaft. Die meisten sind älter; die jüngere Generation ist entweder ausgewandert oder vollständig assimiliert.
In Almaty und Astana gibt es deutsche Kulturzentren, Sprachkurse und Gemeinden. Die Organisation Wiedergeburt (russisch: Возрождение – „Wiederbelebung“) engagiert sich für die Pflege der deutschen Sprache und Kultur sowie für die Dokumentation der Geschichte. Die Bundesrepublik Deutschland unterstützt diese Arbeit finanziell, unter anderem durch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).
„Harry Karlson“ (Гарри Карлсон) lautet das Pseudonym Herold Bergers. Er war von 1994 bis 1995 Mitglied des kasachischen Parlaments. Für die Belange der Russlanddeutschen in Kasachstan setzte er sich immer aktiv ein. Ab 1992 war er stellvertretender Chefredakteur des deutschsprachigen Jahrbuchs 'Phoenix'. Das kasachische Ministerium für Kultur und Bildung finanzierte zu seinem 75. Geburtstag eine zehnbändige Werkausgabe seiner Schriften.
Herold Belger verfasste mehr als 40 Bücher und rund 1.600 Zeitschriftenbeiträge — auf Kasachisch, Deutsch und Russisch. Im Mittelpunkt vieler seiner Werke stehen die Deportation der Wolgadeutschen nach Kasachstan und das Leben der Russlanddeutschen in der kasachischen Steppe. Darüber hinaus übersetzte er über 200 Bücher und gilt als einer der bedeutendsten literarischen Vermittler zwischen der deutschen, kasachischen und russischen Kultur.
Zu seinen bekanntesten Romanen zählen
- Goethe und Abai (1989)
- Das Haus des Heimatlosen (Дом скитальца, 2009)
- Tujuksu
sowie - Das kasachische Wort
Marcus Ventzke, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt auf der Grundlage des Wikipedia-Eintrags zu Herold Belger.
Deutsche in Kasachstan gestern und heute

Deutsche in Kasachstan – Lebensweisen und Werte
Sieh den Infofilm der Stiftung Wiedergeburt.
In dem Film wird von einer 'besonderen deutschen Mentalität' gesprochen, die aus „Offenheit“, „Barmherzigkeit“ und „gegenseitiger Unterstützung“ bestehe (0:57 min).
Suche im weiteren Verlauf des Films nach Belegen für die Wirksamkeit dieser deutschen Mentalität.
Im Juni 1989 wurde in der Stadt Alma-Ata die Gesellschaft für Politik, Kultur und Bildung der Sowjetdeutschen „Wiedergeburt“ für die Republik gegründet. Seit dieser Zeit kümmert sich die Organisation der Deutschen in Kasachstan (heute: Stiftung Wiedergeburt) mit vielen Projekten und Aktionen in nahezu allen Bereichen um das Leben der Deutschen.

© https://wiedergeburt-kasachstan.de/ · Alle Rechte vorbehalten
Dabei geht es um Sprachenlernen, Kulturveranstaltungen, Religion, Kochtraditionen, Jugendarbeit, die Unterstützung von (jungen) Unternehmern, die Bewahrung der Geschichte und die Mitwirkung an politischen Gestaltungsaufgaben – von der Gesundheitsversorgung über den Arbeitsmarkt bis zur Sozialpolitik. Und so ist z. B. das Deutsche Haus in Almaty ein wichtiger Ort für alle Deutschen und deren Interessen und Anliegen in Kasachstan.




Hier ein kleiner Einblick in die Arbeit der Organisation der Deutschen in Kasachstan:
Tradition und Kultur: https://wiedergeburt-kasachstan.de/culturecat/culturemain-de/?lang=de
Hier ein kleiner Einblick in die Arbeit der Organisation der Deutschen Kasachstans:
Bildung: https://wiedergeburt-kasachstan.de/studycat/studymain-de/?lang=de
Hier ein kleiner Einblick in die Arbeit der Organisation der Deutschen Kasachstans:
Jugend: https://wiedergeburt-kasachstan.de/youthcat/youthmain-de/?lang=de
Hier ein kleiner Einblick in die Arbeit der Organisation der Deutschen Kasachstans:
Unternehmertum: https://wiedergeburt-kasachstan.de/businesscat/businessmain-de/?lang=de
Russlanddeutsche als Brückenbauer zwischen Deutschland und Kasachstan?

In dieser Folge des Podcasts „Steppenkinder“ von Ira Peter und Edwin Warkentin geht es um die Vergangenheit, aber auch die Gegenwart der Deutschen in Kasachstan. Wie leben sie dort? Welche Bedeutung haben sie für Kasachstan aber auch für Deutschland? Die Folge des Podcasts heißt „Kasachstan und seine Deutschen“. Sie entstand im Jahr 2022. Auf der Seite des Podcasts kann auch das Transkript des Gesprächs nachgelesen werden.
Brückenbauer?
Viele Russlanddeutsche stellten ihre oft leidvollen Erfahrungen später in Kunstwerken dar. Sie wurden Schriftsteller, Journalisten oder Maler. Damit wurden ihr Wissen für viele Menschen zugänglich und das Leben und die Geschichte der Russlanddeutschen verständlich. Sie bauten damit gewissermaßen Brücken zwischen der Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Russland und Deutschland.


Nora Pfeffer wurde 1919 in Tiflis geboren. Ihre Eltern, beide Lehrer an der deutschen Schule, wurden 1935 vom NKWD verhaftet. 1941, ihr Mann war gerade an die Front eingezogen und schwer verwundet worden, verhaftete der Geheimdienst auch Pfeffer selbst. Nach acht Monaten Einzelhaft verurteilte sie ein Sondergericht zu zehn Jahren Gulag und fünf Jahren Verbannung. Es folgte eine Lagerodyssee von Tiflis über Baku und Dudinka bis nach Mariinsk.
Alexander Fitz, geboren 1948 in Kasachstan als Nachkomme deportierter Wolhyniendeutscher, arbeitete sich in der sowjetischen Presse zum ersten deutschen Chefredakteur einer usbekischen Republikzeitung hoch. Im Jahr 1991 siedelte er nach Deutschland aus und wurde als Schriftsteller und Journalist zu einer der bekanntesten Stimmen der russlanddeutschen Gemeinschaft. 2025 starb er in München.
- 1Höre dir das Gedicht von Nora Pfeffer „Lebendige Exponate“ an. Sie trägt es in diesem Podcast selbst vor (3:40 min – 4:20 min).
- 2Fasse zusammen, was du aus dem Gedicht mitnehmen kannst, um eine menschenwürdige Zukunft zu gestalten.
- 3Bewerte die Aussagen Nora Pfeffers. Stimmst du mit ihren Aussagen überein?
- 4Vergleiche mit der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Situation in Deutschland und begründe, was du ändern würdest.
© Bundesstiftung Aufarbeitung, Gulag-Archiv · https://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/de/recherche/mediathek/gulag-zeitzeugen-nora-pfeffer · Alle Rechte vorbehalten
Die kasachisch-deutsche Dichterin Nora Pfeffer (1919–2012) über die Erinnerung an die Verbrechen der Vergangenheit.

© Chris Liebscher, Digitale Lernwelten GmbH · Alle Rechte vorbehalten
- 1Analysiere auch das nächste Kapitel 6.2 Deutsche in Kirgisistan. Analysiere außerdem Parallelen und Unterschiede zwischen der Situation der Russlanddeutschen in Kasachstan und der in Kirgisistan? Nutze beide Kapitel für deinen Vergleich.
- 2Stell dir vor, du findest auf einem kasachischen Friedhof einen deutschen Grabstein aus dem Jahr 1944. Schreibe eine kurze fiktive Biografie, wie das Leben dieser Person ausgesehen haben könnte.
- 3Setze dich mit der Frage auseinander, ob Kasachstandeutsche oder Deutsche aus Kasachstan, die heute in Deutschland leben, tatsächlich Brückenbauer zwischen den beiden Ländern sein können.
- Trage Erfahrungen und Werte zusammen, die Kasachstandeutsche/Deutsche in Deutschland haben.
- Wähle solche Erfahrungen und Werte aus, aus denen Menschen in Deutschland oder in Kasachstan etwas lernen könnten.
- Begründe deine Sichtweise.
